Die Große Koalition – weil Weilimdorf so gewählt hat

Stuttgartkarte BTW13_gSeit heute, 17. Dezember, steht die neue Bundesregierung. Mitverantwortlich dafür: ein Teil von Stuttgart-Weilimdorf. Zumindest statistisch betrachtet. Denn kein anderer Wahlbezirk in Baden-Württemberg als der mit der Nummer 022-10 liegt näher am bundesweiten Ergebnis, ergab eine Auswertung des Statistischen Landesamtes. Auf eine ganze Gemeinde bezogen, gilt das übrigens für Heidenheim. (In der Vergangenheit lag übrigens Vaihingen/Enz recht nah, deshalb haben dort Wahlforscher am Wahltag auch gerne ihre Zelte aufgebaut und die Wähler befragt)

Gebiet via GoogleMapsZweitstimmenanteile (Bundesergebnis in Klammern):
Wahlbezirk 022-10:
CDU 41,6 % (CDU/CSU 41,5 %)
SPD 25,4 % (25,7 %)
FDP 4,1 % (4,8 %)
GRÜNE 9,0 % (8,4 %)
DIE LINKE 9,3 % (8,6 %)
Sonstige 10,6 % (10,9 %)

[hier noch das Ergebnis aus Heidenheim:
CDU 41,6 %, SPD 26,0 %, FDP 4,4 %, GRÜNE 10,1 %, DIE LINKE 6,5 %, Sonstige 11,4 %]

Das Wohngebiet Pfaffenäcker also wählt, wenn man so sagen will, durchschnittsdeutsch. Geht man aber durch das Viertel, bekommt man alles andere als einen Querschnitt zu sehen. Die meisten Gebäude sind Mehrfamilienhäuser mit vier, fünf Stockwerken, es gibt kaum freistehende Häuser.

Weilimdorf_Hunde_kDie Straßen, die entlang der Wohnblocks führen, sind breit und es gibt genügend kostenlose Parkplätze – eigentlich ideal für ein Autofahrerland wie Durchschnitts-Deutschland. Dazwischendrin ist Platz für ein paar Laubbäume und Wiesen – bei letzteren ist es aber weniger gern gesehen, wenn dort Hunde unterwegs sind 😉

Apropos Tiere: im Durchschnittswahlbezirk ist auch Platz für Ungewöhnliches – einen Elefanten und einen Affen. Die beiden stehen auf einem Spielplatz am Rande des Wahlbezirks. Ein mit einer einzigen Rutsche eher kümmerlicher Vertreter dieser Freizeitmöglichkeit steht dort, wo man das Zentrum des Durchschnittswahlkreises verorten kann. Und das kann man im Fall des Pfaffenäcker eher geografisch sehen als in den weiteren Wortbedeutungen Herz oder Einkaufszentrum.

Gewählt wurde am 22. September einige Meter weiter, im Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindezentrum. Anders als die meisten Häuser ist das jedoch nur eingeschossiges, beziehungsweise zweigeschossig, zählt man den unter der Erde liegenden Teil dazu. „Niedrig und bescheiden zwischen den hohen Wohnblocks“ nennt die Gemeinde das. Spielt man den Gedanken mit dem Bundesvergleich nun weiter, stößt man auf eine Parallele: auch das ständige Oberhaupt des Wahlbezirks und über rund 2000 Schäflein, ist eine Frau – Pfarrerin Dorothea Kik. Eine Zeitlang gab es der Internetseite der Gemeinde zufolge auch einen Vizekanzler (aka“regelmäßige unständige Pfarrer), zuletzt war das eine Frau. Die Stelle ist seit sechs Jahren aber unbesetzt…

Weilimdorf_ZentrumPfaffenäckerUnd damit zum nächsten Punkt: eineinhalb Jahre, so haben es drei Autoren ausgerechnet, verbringt der Durchschnittsbüger beim Einkaufen. Die Bewohner des Wahlbezirks dürften aber durchaus länger brauchen, denn außer einem kleinen Cap-Supermarkt, einer Apotheke und einem Schreibwarenladen gibt es dort nur wenige Geschäfte – dafür aber ein Fitnessstudio und – wird ganz neu eröffnet – ein, wie soll man’s nennen, Geschäft für alternative Gesundheitstherapie. Immerhin: das „richtige“ Zentrum – mit Stadtbahnanschluss, Einkaufszentrum und vielen weiteren Geschäften -, der Weilimdorfer Löwen-Markt, ist nicht allzu weit entfernt.

Dort befindet sich – spinnt man den Bundesvergleich weiter – quasi auch das Schloss Bellevue, besser bekannt als das Weilimdorfer Bezirksrathaus und Dienstsitz der Bezirksvorsteherin. Genau wie auch bundesweit werden diese obersten politischen Vertreter nicht von den Bürgern direkt gewählt. Dass die Weilimdorfer aber doch recht treffsicher bei Wahlen sind, haben sie ja nun eigentlich bewiesen…

Einige Impressionen aus dem Wahlbezirk und dem Kern von Weilimdorf

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Über jswjuliaschweizer

Ich arbeite als freie Journalistin im Großraum Stuttgart, unter anderem für Tageszeitungen, aber auch für einen Verlag, der sich auf Jugendkommunikation spezialisiert hat, ein Online-Magazin und viele weitere Kunden mehr. Zu meinem Beruf gekommen bin ich über ein BA-Studium in Ravensburg und Praxisphasen bei der Frankfurter Rundschau, ein Volontariat bei einem Fachverlag mit anschließender befristeter Redakteursstelle und einem Aufbaustudium Journalistik in Hohenheim. Dort habe ich Ende Dezember 2009 meine Diplomarbeit über die Berichterstattung zur Finanzkrise abgegeben und bin seitdem überwiegend als Freie unterwegs. Zu finden auch hier: @jsw_Julia
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