Bietigheimer Pferdemarkt – mal anders

Alljährlich rund um den ersten Montag im September ist in Bietigheim-Bissingen „fünfte Jahreszeit“: Pferdemarkt. Und den gilt es natürlich journalistisch zu begleiten. Neben dem Standardprogramm vorausschauend und rückblickend (beim Festzug am Montag oder dem Seniorennachmittag) habe ich mich in diesem Jahr zu einigen Extras entschieden – zum Beispiel für das Onlineangebot mit einem schicken Vergleich historischer und aktueller Bilder vom Pferdemarktfestzug mit Schiebereglern (unter Mithilfe der Onlinerin für das Bilder-zurechtschneiden), einem Teil meiner Wege-Serie ebenfalls zum Festzug und die Begleitung einer nächtlichen Polizeistreife (mit Bildern von Martin Kalb). Eine kurze Version der Reportage gab es in der Printausgabe, die lange im Online-Auftritt und hier.

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Nachts auf Streife: „Einfach nach Hause gehen!“

Die Polizeipräsenz beim Pferdemarkt ist diesmal verstärkt worden, unter anderem mit Bereitschaftspolizisten. Ihre Einsätze waren aber zumeist harmlos.

blog_pm_fassanstichBietigheim-Bissingen. Freitagabend, kurz nach 20 Uhr: Im Festzelt des Bietigheimer Pferdemarkts fließt das Bier bereits reichlich in die Gläser. Auch im Polizeirevier in der Stuttgarter Straße wird nachgeschüttet – aber nur mit Kaffee und Wasser. Die Einsatzbesprechung der Streifen für den Pferdemarkt ist beendet, hier im Obergeschoss, in dem einige Tische zusammengestellt und zusätzliche Laptops aufgestellt wurden. Immer zu fünft oder zu sechst machen sich die Beamten nach und nach zu Fuß oder mit einem Auto auf Richtung Festplatz und Altstadt. Rund 25 uniformierte Beamte sind im Einsatz, Bietigheimer wie auch Polizisten aus Kornwestheim und Kirchheim. Dazu kommen welche in Zivil. Insgesamt ist es ein Drittel mehr an Einsatzkräften als 2015 – eine Folge der jüngsten Anschläge und Ereignisse in Deutschland.

Noch ist alles recht ruhig. Der Truppführer und sein Bietigheimer Kollege nutzen die Gelegenheit, um den vier jungen Bereitschaftspolizisten aus Göppingen den Bereich zu zeigen. Deren Einsatz ist nicht ungewöhnlich, schon für das vergangene Jahr habe man von dort Verstärkung angefordert. Aufgrund einer anderen Veranstaltung hätten diese aber nicht kommen können und die Bietigheimer wurden von Revieren aus Nachbarkreisen unterstützt. Die kleine Besichtigungstour führt die Holzgartenstraße entlang, vorbei am Japangarten. Dort leuchten unzählige Smartphones auf. „Falls ihr nochmals herkommt: hier gibt’s viele Pokémons“, scherzt einer der Beamten. Aber die Spieler, die dort sitzen, seien harmlos, auch wenn das viele Anwohner nicht so sehen und sich wegen nächtlicher Ruhestörung auch bei der Polizei meldeten. Ein größeres Problem sei da vielmehr die Vermüllung, findet er.

Weiter geht es über die Hauptstraße und die Enzwiesenbrücke in den Bürgergarten. Stockdunkel ist es dort bereits an manchen Stellen. Hier wäre aus Sicht der Polizei mehr Licht wünschenswert. Das machen die Beamten nun selber, leuchten mit ihren Taschenlampen auf die Grünflächen. Dort sitzt bereits ein sichtlich betrunkener Jugendlicher. Die Sechsergruppe geht weiter, quer durch den Vergnügungspark. Vor allem die Bereitschaftspolizistinnen werden dabei immer wieder angemacht, der Alkohol macht viele jungen Männer mutig. Doch die Frauen ignorieren das, den Blick stur geradeaus. „Damit muss man leben“, sagt eine der Göppingerinnen. Aber solche Einsätze seien immer noch besser als bei vielen Demonstrationen, wo die Bereitschaftspolizisten oft stundenlang an den Gittern stehen, findet sie. Gerne würde sie mal auch auf dem Wasen arbeiten – ein Ansinnen, das eine der Bietigheimer Polizistinnen nicht verstehen kann. Dort sei es weitaus schlimmer als auf dem Pferdemarkt, inklusive vieler Betrunkenen, die „uns die Wache vollkotzen“.

Der erste Einsatz: Zwei Mal Körperverletzung, einmal Hausfriedensbruch
Der Trupp ist am Ziel, der Sporthalle am Viadukt. Die Männerumkleide dient während der folgenden Stunden als eine Art kleine Dienststelle. Kurz nach 21 Uhr gibt es den ersten Einsatz. Eine Körperverletzung am unteren Zelteingang wird gemeldet. Dort liegt bereits ein junger Mann ausgestreckt am Boden, die Sicherheitsleute des Festzelts umringen einen anderen – normalerweise ist das Revier klar abgesteckt: uniformierte Polizei draußen, Security im Zelt. Der Polizeitrupp teilt sich auf. Zwei Beamte befragen einen dritten jungen Mann zu dem Geschehenen. Auch er will von dem mutmaßlichen Täter geschlagen worden sein, noch im Festzelt, nachdem er ihn zuvor gebeten hatte, ihn nicht ständig anzufassen. Die Folge war dessen Rausschmiss aus dem Zelt, doch dann sei er wieder gekommen. Draußen kam es dann zu dem Faustschlag gegen den Kopf des auf dem Boden Liegenden, der nun vom Roten Kreuz abtransportiert wird.

Auch der mutmaßliche Täter ist weggebracht, sitzt nun in der Männerumkleide, ebenso wie sein Begleiter, der von den Beamten als erster befragt wurde. „Sag die Wahrheit!“, ruft er ihm im Hinausgehen zu. Doch daraus wird kaum etwas. Denn der Atemalkoholtest ergibt mehr als zwei Promille. So sei es nicht ratsam, Aussagen zu machen, erklärt ihm eine Beamtin. Der Großteil der Ermittlungen wird aber ohnehin erst später folgen. Denn gerade bei Körperverletzungen in diesem Umfeld sei es oft schwierig festzustellen, wer was getan habe, so die Polizistin. Folgen sind dann öfters auch Anzeigen gegen die, die zunächst nur als Geschädigte galten.

Die Sache könnte eigentlich schnell erledigt sein, doch der junge Mann scheint auf Streit aus. „Ihren Namen und Ihren Dienstgrad!“, sagt er plötzlich zu einem Bereitschaftspolizisten. Denn dieser habe ihn angefasst, einfach nur angefasst. Eigens telefoniert er dazu mit einem Verwandten, erzählt, was passiert ist. „Der arbeitet beim Bundespolizeiministerium“, sagt er, und fordert immer wieder die Daten des jungen Beamten. Seine Kollegen können sich ein Grinsen ob der genannten Arbeitsstelle kaum verkneifen. Später, als der Bereitschaftspolizist nach längerem Hin und Her auch seinen Vornamen genannt hat und der mutmaßliche Täter gegangen ist, bricht es aus den Polizisten heraus. Denn der junge Mann hatte auf die Frage der Beamtin, ob auch er Verletzungen geltend mache, angekündigt, er werde sich erst von einem Gerichtsmediziner untersuchen lassen. „Das empfiehlt sich bei Ihrem Zustand eigentlich noch nicht“, hatte sie ihm trocken geantwortet.

Erst fehlt ein Opfer…
Doch schnell wird es wieder ernst – vermeintlich. Denn kurz nachdem sie den Schriftkram erledigt haben, und jeder berichtet hat, was ihm wer gesagt hat, wird eine weitere Körperverletzung gemeldet, direkt beim Hallenbad. Vom mutmaßlichen Täter seien die Personalien bereits von einer anderen Einsatzgruppe aufgenommen, wird vermeldet. Doch vom Opfer fehlt jede Spur. Die Beamten suchen alles ab, leuchten in dunkle Ecken – nichts, auch beim Roten Kreuz sei niemand Entsprechendes angekommen, heißt es dort.
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Lange suchen im Getümmel können die Beamten nicht, denn bereits der dritte Vorfall wird gemeldet. Auch ein weiterer Trupp ist auf dem Weg zum Einsatzort ganz in der Nähe des oberen Zelteingangs. Zwei der Beamten haben bereits einen jungen Mann angesprochen, der rasch zum Süßigkeitenstand gegangen ist. Schnell kommen die Sicherheitsleute des Zelts dazu, stellen sich um die Szene auf, um möglicherweise gewaltbereite Freunde des Verdächtigen und Schaulustige abzuhalten. Und die bekommen auch schnell etwas zu sehen. Der Verdächtige kommt einem Beamten nahe, versucht, ihn abzudrängen. Doch wohl allein schon aufgrund seiner entsprechenden Körperhaltung waren die Polizisten vorbereitet. Schnell liegt der Verdächtige bäuchlings auf dem Boden, die Hände geschlossen, wie es im Jargon heißt. „So kann er sich besser beruhigen“, erklärt einer der Beamten, das sei besser, als einen vielleicht noch Widerspenstigen am Arm zu packen. Andererseits provoziere das aber auch Handyvideos der Umstehenden, weiß er.

Doch die Situation beruhigt sich schnell, wenig später ist der Verdächtige wieder frei – und die Beamten beim nächsten Einsatz, diesmal am unteren Zelteingang. Beteiligt ist ein Jugendlicher, mit dem die Beamten schon eine knappe Stunde zuvor zu tun hatten, als er sichtbar betrunken an einem Zaun lehnte. Nein, er brauche keinen Rettungsdienst, hatte er da noch gesagt. Nun wird er wieder von einem Freund gestützt, was genau passiert ist, ist unklar. Immer mehr Jugendliche kommen dazu. Doch plötzlich streckt er sich und rennt los, bleibt unterm Viadukt stehen. Noch mehr junge Männer kommen dazu. Nun müssen sich die Beamten entscheiden: Braut sich hier etwas zusammen und bleiben sie alle, oder gehen sie zurück, wie zuvor vereinbart, Richtung Eingang des Zeltes, das bald schließt, was erfahrungsgemäß für Probleme sorgen kann. Sie entscheiden, sich aufzuteilen, die zwei Bietigheimer Beamte bleiben bei der Gruppe junger Männer, zwei auf halben Weg zum Zelt, zwei kurz davor. Zu ihnen gesellen sich zwei Zivilbeamte, die innen drin waren.

Die Suche nach den Tätern
0.20 Uhr. Noch läuft die Musik im Zelt, erst mit einigen Minuten Verzögerung ist die Party dort beendet. Es bleibt alles ruhig am Zeltausgang. Anders in der Altstadt. Eine Massenschlägerei wird gemeldet. Gleich mehrere Trupps rennen los, auch eine Bus-Besatzung ist unterwegs. Am Fräuleinsbrunnen ruft ihnen ein junger Mann zu: „Dort drüben sind die Geschädigten“, auch Sanitäter fahren in dem Moment vor, allerdings ohne tätig werden zu müssen. Ein Trupp befragt die beiden Männer, die von zwei anderen aus einer großen Gruppe heraus Schläge ins Gesicht bekommen haben, für sie ohne Grund; zwei weitere Männer sollen ebenfalls geschlagen worden sein. Die anderen Beamten ziehen weiter in Richtung des Lokals, in denen der Täter sein soll. Von ihm liegt eine recht detaillierte Beschreibung vor – doch gefunden wird er nicht. „Eigentlich könnten wir die beiden Fälle zusammenführen, den vom Hallenbad und den jetzt“, scherzt einer der Beamten, „dann haben wir Opfer und einen Täter.“

Der Trupp ist mittlerweile wieder auf dem Festplatz angekommen, auf dem die Betreiber die Müllhaufen zusammenkehren. Die Beamten postieren sich vor dem Autoscooter. Immer mal wieder leuchten sie heimkehrende Festbesucher an, auf der Suche nach dem Täter von vorhin. Und immer mal wieder werden sie von betrunkenen jungen Männern angesprochen, teils angepöbelt. Was sie hier wollten, ist oft eine Frage. Und dass die Polizei „immer scheiße“ ist, bekommen sie etliche Male zu hören. „Einfach nach Hause gehen!“, sagt einer der Bereitschaftspolizisten deshalb immer wieder.

Es wäre für viele Besucher wohl schon zu einem früheren Zeitpunkt das beste gewesen. „Es ist erschreckend, wie viele sich hier zutrinken“, sagt ein älterer Beamter wenig später in der Umkleide der Sporthalle. Nach 23 Uhr habe man eigentlich nur noch mit einem zu tun gehabt, der klar gewesen sei. In seiner Jugend habe es das in dieser Form nicht gegeben.

Großes Problem: Alkohol
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Eine Einschätzung, die von vielen Seiten zu hören ist, auch wenn es bislang recht friedlich geblieben ist, so die Einschätzung am Sonntagnachmittag ebenso von den Verantwortlichen des Festzelts. Dort hatte es erstmals nicht mehr nur sporadische, sondern gerade abends komplette Taschenkontrollen und in der Folge Schlangen am Eingang gegeben. Es habe aber keine Schwierigkeiten gegeben, im Gegenteil, heißt es beim Betreiber Göckelesmaier. Das DRK hingegen verzeichnete am Sonntagnachmittag mit 53 Patienten (davon sieben in die Klinik, darunter einer mit dem Notarzt) mehr Einsätze als vergangenes Jahr (28 plus fünf ins Krankenhaus). Vor allem Wunden seien etwa am Samstag zu versorgen gewesen, dagegen nur ein Patient mit Kreislaufschwäche.

Die Auswüchse von zu viel Alkohol sind wenig später erneut zu sehen. Ein Zwischenfall bei einem der noch geöffneten Lokale wird gemeldet. Auch hier soll ein junger Mann handgreiflich geworden sein, er sitzt bereits unter Aufsicht der Security im Freien. Seine Personalien werden nach einigem Hin und Her aufgenommen, auch hier stoßen Kumpane von ihm dazu, auch hier müssen sich Beamte aufstellen, um eine gewisse Trennung zu schaffen. Es ist bereits viertel nach drei, noch immer dröhnt Musik aus dem Innern – auch andere Lokale in der Altstadt haben länger gespielt, als eigentlich erlaubt. Eine Beamtin geht zu einem Wachmann, erinnert an die Sperrstunde. Man wolle die Musik noch ausklingen lassen, heißt es, nun spiele man aber das letzte Lied.

Der Trupp ist zufrieden, will in den Bus einsteigen. Da wankt ein junger Mann auf die Gruppe zu. „Kann ich Sie was fragen?“, lallt er. „Kann ich bei Ihnen einen freiwilligen Alkoholtest machen?“ Die angesprochene Beamtin fängt an zu lachen. „Oh, das braucht man nicht unbedingt. Ich kann Ihnen auch so sagen, dass Sie ganz schön betrunken sind.“ Enttäuscht zieht er von dannen.

Gegen halb vier treffen die meisten Beamten wieder auf dem Polizeirevier ein, die Lage ist weiter recht ruhig. Eine Stunde haben sie noch vor sich, die Göppinger dann noch die Fahrt nach Hause. Und schon wenige Stunden später geht es für manche zum nächsten Einsatz. Das nächste Fest wartet. Mit viel Alkohol. Und Kaffee und Wasser für die Beamten.

 

NACHTRAG: Am Donnerstag, 8. September (einen Tag später als im vergangenen Jahr) hat die Polizei Bilanz gezogen. Insgesamt habe es etwas weniger Straftaten gegeben – doch wie schon 2015 große Probleme mit den länger geöffneten Lokalen (und dem Alkoholkonsum vieler Festbesucher). Schon für Mittwoch hatte ich was zu dem Thema geschrieben, weil es nach der begleiteten Schicht wohl heftig zuging, zudem bereits zum Start des Pferdemarkts, als Bietigheimer Beitrag zum Samstagsschwerpunkt.

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Sommer.Loch.Serie! Themen für die Lokalseiten im Sommerloch

Die Sommerferien sind für viele Journalisten wohl so etwas wie die Angst vor dem weißen Blatt, der Schreibblockade – nur einige Nummern größer. Ein Mittel dagegen: Serien. Auch ich habe mich für meine Hauptseite dafür entschieden. Das Thema war schnell gefunden, es sollte um „Wege“ gehen. Auslöser waren zwei Zuschriften von Lesern, die Dinge in der Stadt erwähnten, die aus ihrer Sicht schon länger nicht ideal sind. Konkret ging es um gefährliche Stellen auf Straßen, die im Radschulwegplan als empfohlen aufgeführt sind (das gab dann nicht so viel her, dafür aber anderes), und Stolperfallen für Behinderte. Gute Themen zwar, aber es bestand kein aktueller Grund, diese aufzugreifen. Als Oberbegriff dieser beiden Geschichten kam bei mir schnell ganz allgemein „Wege“, Anfang Juli legte ich dann eine erste Themenliste an. Und die wuchs, als der größte Stress wegen des Bürgerentscheids vorbei und ich im Urlaub war, immer weiter an.

Inzwischen sind die meisten Geschichten meiner Serie „Wege durch die Stadt“ erschienen. Angefangen mit einem Bericht am ersten Mittwoch im August darüber, wie schon jetzt Linienbusse an Ampeln schneller freie Fahrt erhalten, und welche neuen intelligenten Systeme und Lösungen es von 2017 an geben soll. Nur kurz später folgte ein Klassiker, die Auflistung der großen Baustellen, die Wege dichtmachen – und bei der es tatsächlich Neues zu berichten gab. Denn im Gespräch sagte mir der Bauamtsleiter, dass sich Einiges verzögern wird. Geplant war dieser Teil zwar erst Mitte der folgenden Woche. Doch weil es im Sommerloch (dessen Existenz ich dann in dieser Hinsicht auch zugeben musste) sogar an Terminen am Wochenende mangelte, die man gut besetzen könnte, erschien er bereits in der Montagsausgabe.

Fortan gab es damit zwei Mal pro Woche einen Serienteil: donnerstags (alternativ Mittwoch) einen großen, montags einen kleinen. Der war meist ohne Bild – aber dafür oft mit mehr Neuigkeiten, als ich ursprünglich gedacht hatte. Unter anderem ging es um eine Art Nachtbuslinie in Bietigheim-Bissingen oder die Enz als „Wasserweg“, auf der oft Müll schwimmt, was schon mehrere Leserreaktionen hervorgerufen hatte. Insgesamt ging es aber nicht nur um klassische Wege, einen kleinen Beispieltext dazu gab es auch in Glossenform. Ein großes Beispiel war der Artikel über die Wege der Zwangsarbeiter, die viele im Zweiten Weltkrieg nach Bietigheim geführt haben – denn hier war das zentrale Durchgangslager für Südwestdeutschland. Für sie soll es bald ein Mahnmal geben. Erfahren hatte ich das im Juni  eher zufällig, ohne weitere Details genannt bekommen zu haben – aber für die Serie war das ausreichend. Und weil Anfang September wieder Pferdemarkt ist, habe ich auch diesen versucht einzubauen – und ein bisschen was über die Streckenführung des Festzugs geschrieben (wenngleich es urlaubsbedingt nicht mit allen Archivbildern wie gewünscht klappte, aber deren Präsentation wird nachgeholt).

Weitere Texte folgen noch im September, Ideen sind da und die Ansprechpartner hoffentlich auch alle wieder. Weiße Löcher wird es also nicht geben. Nur irgendwann dann den Herbst.

NACHTRAG: Nun sind weitere Beiträge erschienen, zunächst ein weiterer zum Thema Pferdemarktumzug (ein Tag vorgezogen, der Aktualität wegen). Denn zum einen hatte das Stadtarchiv doch noch Bilder besorgt und zudem festgestellt, dass es sehr wohl kleine Abweichungen bei der Route gegeben hatte, und zwar am Startpunkt. Wichtigerer Grund war aber, dass ich meine Idee verwirklichen und historische und aktuelle Umzugsbilder gegenüberstellen wollte, mit Schiebereglern. Und so war ich diesmal beim Umzug auch mit Fotografieren beschäftigt, genau mit derselben Perspektive an den Stellen, an denen vor Jahrzehnten schon mal Bilder gemacht worden waren.
Am darauffolgenden Montag gab es einen weiteren Teil, diesmal zum Baumlehrpfad, der sich vom Bahnhof hinunter bis in die Altstadt und großteils auf einem anderen Weg wieder zurück zieht.

Bei diesem Artikel gab es die Überlegung, die Serie am Schluss abzukündigen, da eine geplante größere Geschichte nicht vor Ende September möglich ist. Ich habe es aber gelassen – und zufällig ergab sich dann die Gelegenheit, doch noch einen weiteren großen Beitrag zu machen. Denn im Zuge der Recherche zur Neugründung einer Arbeitsgemeinschaft Barrierefreies Bietigheim-Bissingen (draufgekommen bei der Recherche für einen früheren Serienteil) erfuhr ich, dass einige Beteiligte mit einer Rollstuhlfahrerin schon eine „Begehung“ gemacht hatten und nahm das als Aufhänger.

Was fehlt noch? Etwas Kleineres zum Thema Schienenwege (ET 19.), von denen es früher mehr gegeben hat, und danach ein größerer Artikel, der sich Fußgängern widmet.

 

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Es gärt: der Bürgerentscheid über eine geplante Biovergärungsanlage

Ist sie eine Gefahr für die Umwelt, insbesondere das Grundwasser und die angrenzende Enz und die Menschen in ihrer Umgebung, die mehr Verkehr, Lärm und Gestank hinnehmen müssen? Oder ist sie eine innovative Idee und ein lukrativer Beitrag zur Energiewende? Um das Für und Wider einer geplanten Biovergärungsanlage ging es in den vergangenen Monaten in Bietigheim-Bissingen. Und vor allem um die Standorte. War das zunächst auf einer Anhöhe zwischen Löchgau und Bietigheim geplant, wurde nach Protesten auch im Gemeinderat ein ehemaliger Steinbruch gewählt. Doch dort waren die Proteste aus der Bevölkerung noch massiver – und das Vorhaben scheiterte letztlich mit einem Bürgerentscheid deutlich.

Das Thema beherrschte die Stadt – und damit auch die Berichterstattung, vor allem in den letzten zwei Wochen vor dem Bürgerentscheid am 17. Juli. Ziel war es, jeden Tag einen Beitrag dazu zu bringen (vor allem auf den Bietigheimer Seiten), zusätzlich wurden an den beiden Samstagen auch die Schwerpunkte der Ausgabe dem Thema gewidmet. Eine Linksammlung, von mir ergänzt um einige Punkte, die aus Zeitgründen nicht früher umgesetzt werden konnten.

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Den Auftakt machte ein Gespräch mit dem Landrat und den möglichen Folgen eines negativen Ausgangs des Bürgerentscheids. Auf die Bietigheim-Bissingen-Seite habe ich zudem ein Foto gepackt, denn plötzlich hingen an den großen Einfallstraßen Plakate, sowohl von Gegnern als auch Befürwortern (zu beiden gab es einige Tage später mehr). Am Donnerstag folgte dann ein weiterer Beitrag von mir nach einem Pressetermin mit Grünen-Politikern, ehe am Freitag das große Interview mit Umweltminister Franz Untersteller im Blatt war. Dazu war es gekommen, weil ich nach der Vorstellung der Werbekampagne der Befürworter und der Aussage des Stadtwerkechefs, dass man sich auch Unterstützung vom Landkreis und dem Land wünsche, weil Energiewende nicht nur lokales Thema sei, bei beiden Stellen angerufen und gefragt hatte, ob sie in irgendeiner Form unterstützen würden.

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Am Samstag folgte dann der erste Schwerpunkt, der sich durch das Blatt zog. Auf der Bietigheim-Bissingen-Seite ging es um den Häckselplatz, zudem habe ich den Beitrag für die „Repo“ geliefert, die in diesem Fall wieder eher aufs Grafische als die klassische Reportage setzte. Thema waren die Wege, die der Müll des Landkreises nimmt. Und nachdem sich abzeichnete, dass diese sehr weit sind, habe ich mich zu einer Landkarte mit Pfeilen entschieden, hier links meine Skizze.

Weiter ging es für mich in der letzten Woche vor dem Bürgerentscheid mit einer Auflistung der Knackpunkte wie Verkehr, Umweltgefahren etc. in der Mittwochsausgabe. Nicht fehlen durfte auch das Thema Kommunikation anhand der Wahlkampfmaterialien und die erneute, ausführlichere Erklärung, wie das mit dem Bürgerentscheid funktioniert – denn es gab sogar immer noch Leute, die es qua Beruf eigentlich hätten wissen müssen, dass sich die 20 Prozent für die Gültigkeit nicht auf die Wahlbeteiligung, sondern den Anteil der Mehrheitsmeinung an den Stimmberechtigten bezieht. Am Samstag wurden dann die Kontrahenten nochmals vorgestellt, mein Part befasste sich mit Vertretern der Bürgerinitiative.

Und dann war auch schon das Großkampfwochenende da, zumal natürlich mehr passierte als nur der Bürgerentscheid. Auf dem Weg in die Redaktion fuhr ich noch in einigen Wahlräumen vorbei, wo schon ordentlich was los war (und ich mir danach sicher, dass das Quorum geschafft würde). Kurz vor 18 Uhr am Sonntag waren die meisten Seiten fertig redigiert, dann ging es Richtung Bürgerbüro, wo die Stimmen zentral zusammengefasst wurden – auf ungewöhnliche Art. Zumindest hatte ich es noch nie gesehen, dass die Einzelergebnisse an Pinnwänden im Hof aufgehängt werden. Überraschend für mich auch die Deutlichkeit, mit der der Bürgerentscheid zugunsten der Gegner der Anlage im Steinbruch ausging (Verkündung als Video hier). Ergänzend zu den Meldungen auf den jeweiligen Titelseiten gab es von mir noch einen Stimmungsbericht mit Ergebnistabellen auf der Bietigheim-Bissingen-Seite und einige Wahlsplitter.

Zwischen Jubel und kühler Analyse

Reaktionen auf den Bürgerentscheid und das Aus für die geplante Biovergärungsanlage

Die Gegner der Biovergärungsanlage haben einen deutlichen Sieg errungen. Vor allem Vertreter der SPD zeigten sich darüber wenig erfreut.

Bietigheim-Bissingen. Sonntagabend, gegen 18.30 Uhr: Ein ungewohntes Bild bietet sich den Bürgern, die in den Hof des Bürgeramts kommen. Bürgermeister Joachim Kölz steht vor den Pinnwänden und schaut auf die einzelnen Seiten mit den Ergebnissen der bereits ausgezählten Wahllokale. „4:1 für uns“, fasst ein Mitglied der Bürgerinitiative seinen Eindruck zusammen. Die ersten Jubelschreie werden ausgestoßen. „Ein Jahr haben wir gekämpft“, sagt Ulrike Pfitzner, die zum harten Kern der Bürgerinitiative gehört, die sich gegen den Standort der geplanten Biovergärungsanlage im Steinbruch Fink formiert hat. „Um jetzt strahlend vor den Ergebnissen zu stehen. Nur mit dem Biomännle kann man halt nicht gewinnen“, sagt sie mit Blick auf die vor rund sechs Wochen mit Hilfe einer Werbeagentur gestarteten Kampagne des Betreiberkonsortiums.

Nach und nach kommen weitere ihrer Mitstreiter an – und immer mehr Ergebnisblätter werden aufgehängt. Längst wird nur noch danach geschaut, wie hoch die Wahlbeteiligung war – entscheidend dafür, dass die Anlagengegner letztlich erfolgreich sind. Die ersten Gemeinderäte tauchen auf, die Augen ganz fokussiert auf die Zahlen. Und hinter sich Kommentare gegen ihre Parteien. SPD-Fraktionschef Volker Müller ist sichtlich verärgert über das Ergebnis, wie es sich langsam herauskristallisiert. „Das ist ein schwarzer Tag für mich“, sagt er. „Und für die Energiewende. Aber jetzt sind die Gegner am Zug zu sagen, was sie vorschlagen, um das Thema voranzubringen. Sie sind jetzt in der Bringschuld.“ Er fürchtet nun weitere Bürgerbegehren: „In vier Wochen haben wir das nächste. Man kann keinen Bebauungsplan mehr aufstellen, nichts.“ Ob auch Stadt und Gemeinderat Fehler gemacht hätten? „Die Ankündigung, dass aus der Stadt Karlsruhe Biomüll kommt, war nicht gerade befeuernd“, sagt er dazu nur.

Applaus brandet auf. Doch er gilt (noch) nicht dem Ergebnis. Zwei der Geschäftsführer des Konsortiums, Stadtwerke-Chef Rainer Kübler und Reiner Glock, biegen um die Ecke. Die Stimmung ist gelöst, und irgendwie scheint das auch für die beiden zu gelten. Die ersten rufen ihnen Zwischenergebnisse zu. Kübler fragt ungläubig, wie eindeutig das sei, und ob noch keiner die Zahlen nachgezählt habe – denn so könne er noch keine erste Einschätzung abgeben.

„Sehr eindeutig“, müssen er und Glock nur wenig später im Gebäudeinnern von Ordnungsamtsleiter Thomas Höfel hören. Einer, der darüber froh ist, ist CDU-Fraktionschef Thomas Wiesbauer. „Wenigstens ist es eindeutig und keine Eiergeschichte. Dann hätte es wieder Diskussionen gegeben.“ Das hat er in seiner Partei bereits hinter sich. Während die deutliche Mehrheit der Fraktion für die Anlage war, hatte der Stadtverband noch am Dienstag in einer Pressemitteilung (Titel: „OB stellt Interesse der Anlagenbetreiber über das der Bürgerschaft“) dafür geworben, mit Ja zu stimmen und damit letztlich die Anlage abzulehnen.

Und damit wohl auch deren Aus im gesamten Landkreis. So ist zumindest die Einschätzung der Runde, die in einer Ecke zusammensteht, nachdem OB Jürgen Kessing gegen 19 Uhr das Ergebnis verkündet und der Jubel nun deutlich lauter als zu Beginn aufbrandet. Die ganze Ausschreibung sei zugeschnitten auf einen Standort nahe an einem bestehenden Netz des künftigen Betreibers, so Kübler, dessen Gesichtsausdruck noch so ist wie bei seinem Eintreffen. Nun könne man nicht sagen, man mache es woanders. Am Montag dann müsse man intern überlegen, wie es weitergehe, und danach mit der AVL sprechen – sie hatte den Bau einer entsprechenden Anlage ausgeschrieben und das Konsortium um die Bietigheimer Stadtwerke den Zuschlag erhalten. Die AVL-Aufsichtsräte tagen schon am Mittwoch, „doch da stehen eigentlich andere Themen auf der Tagesordnung“, sagt SPD-Kreisrat Hans Leopold Schlobach. Und: „Ich seh’ bei uns keinen in der Fraktion, der sagt, ein anderer Standort ist möglich.“ „Das wird nach der Erfahrung auch keine andere Kommune machen wollen“, ergänzt Kölz.

Woran es gelegen habe, dass das Ergebnis so deutlich ausfiel? „Das Thema war sehr emotional geprägt. Und es ging nur um den Standort“, sagt Glock. Die Mehrzahl der Wähler sei den Fehlinformationen der Bürgerinitiative aufgesessen“, sagt Schlobach, diese hätte mit tausenden Lastwagen täglich Angst gemacht und damit, dass gleich das Grundwasser verseucht werde. „Wir haben auf unsere Sachargumenten in den letzten Tagen gutes Feedback bekommen“, ergänzt Kübler. Viele hätten aber einfach die Chancen nicht gesehen, sondern nur Risiken. Und es sei ein klassischer Fall des St. Florians-Prinzips gewesen. Unterm Strich habe man aber eine gute Auseinandersetzung geführt.

Und die ist in der Tat beendet – zumindest draußen vor den Pinnwänden. „Es ist ein Sieg gegen Arroganz und Ignoranz der Verwaltung“, sagt Ulrike Pfitzner in Richtung des Bürgermeisters, der vor den Pinnwänden steht. Doch diesmal blickt Joachim Kölz gebannt in die andere Richtung. „Ich sag dazu jetzt nichts.“

blog_radtschlagRad(t)schlag für die Wahl

Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Wahlzeit, kommt Werberad – so könnte man den deutlich sichtbaren Hinweis nennen, der am Samstag auf dem Kronenplatz zu sehen war. Dort stand nämlich, in bester Lage vor einer der „Wunderland“-Bühnen, ein Fahrrad, voll mit Plakaten. Unschwer zu erraten, wer das dort hingestellt hatte – an jeder freien Stelle wurde vor der „Müll-Stadt“ gewarnt.

Noch Nein? Nein!

Ja, der Bürgerentscheid war ein Novum für die Stadt Bietigheim-Bissingen. Und wohl auch die Präsentation der einzelnen Ergebnisse auf Pinnwänden, während städtische Mitarbeiter nach und nach die ausgezählten Stimmzettel ins Bürgerbüro brachten. Der Mann, der gegen Ende kam, trug besonders schwer, hatte noch einen Korb bei sich. „Der bringt jetzt die entscheidenden Nein-Stimmen“, scherzte Ulrike Pfitzner. Doch knapp 10 000 Stimmzettel hätten da wohl kaum reingepasst. Und außerdem war alles zuvor schon telefonisch durchgegeben worden.

In Fahrt gekommen

Das nennt sich wohl Ironie der Geschichte. Die Bürgerinitiative hat sich ausgerechnet nach einer Infofahrt des Betreiberkonsortiums gegründet, erzählte Ulrike Pfitzner. Weil es nicht nach Freudenstadt, sondern zu der Anlage nach Backnang ging, habe man nach der Rückkehr mehr Zeit gehabt als gedacht. Und dann habe man gesagt, man sollte eine BI gründen und sei daraufhin in eine Gaststätte gegangen.

Ja, Ja, Ja

Nicht nur in Bietigheim-Bissingen wurde am Sonntag abgestimmt. Auch in Emmendingen gab es einen Bürgerentscheid, auch hier stand am Ende mit großer Mehrheit ein Ja – und damit die Ablehnung der Pläne, eine Grünfläche für ein neues Stadtviertel zu bebauen. In Singen sagte die Mehrheit ebenfalls Ja – das bedeutete aber tatsächlich Zustimmung, zum Bau eines Einkaufszentrums.

 

Fortsetzung folgt…

Und nach diesem Ergebnis ging es natürlich noch weiter, am Folgetag mit weiteren Reaktionen. Zudem standen während meines anschließenden Urlaubs einige Termine an (unter anderem der schon in meinem Artikel erwähnte bei der AVL), bei denen der Bürgerentscheid noch eine Rolle spielte.

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Fußball: Zehn zurück, eins nach vorn

9. Juni 2006: Anpfiff in München. Die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt. Im eigenen Land – und ich bin nicht nur vor dem Fernseher dabei, sondern als Mitarbeiterin, genauer, als eine von 15.000 Freiwilligen in ganz Deutschland.

10. Juni 2016: Anpfiff in Paris. Die Fußball-Europameisterschaft beginnt. Und ich bin nicht nur vor dem Fernseher dabei, sondern habe mir vorgenommen, die Spiele journalistisch zu begleiten. Mit Rückblicken auf die WM, aber auch die EM – und Aus- sowie Einblicken. Los geht’s – Anpfiff!

 

9. Juni 2006. Es ist der Abend, auf den viele gewartet haben, der Beginn der WM. Doch für die Stuttgarter Volunteers ist sie bereits einen Tag vorher so richtig losgegangen. Denn im Staatsministerium gab es für uns einen Empfang (damals von MP Günther Oettinger), mit Musik und Essen. Pünktlich dazu war auch das Wetter besser geworden. Ich erinnere mich noch gut, wie ich an dem Morgen noch einen Pulli (!) anhatte, ihn dann aber am späten Nachmittag vor der Fahrt von der Redaktion in Gernsbach nach Stuttgart auszog. Und es blieb während der folgenden Wochen warm; kaum habe ich mal die Jacke angezogen, die wir neben den drei T-Shirts, der kurzen und der langen Hose, der Regenjacke sowie den Sportschuhen samt Socken bekommen haben für den Einsatz. Denn es war auch in der Schleyerhalle warm, in der wir zum gemeinsamen Fußballschauen eingeladen waren, wie eben zum Eröffnungsspiel.

 

Eintrag: 21. Juni 2016 – an diesem Abend sollte eigentlich eine Gemeinderatssitzung sein. Parallel zum letzten deutschen Gruppenspiel gegen Nordirland. Eigentlich…

Glosse zum Thema Folgen der EM auf die Politik:

Noch drei Tage, spätestens dann wird man in den Straßen deutlich mehr weiße T-Shirts sehen (und schwarz-rot-goldene Utensilien). Farblich schon lange passend unterwegs ist Hausesel Benny, der für die BZ die deutschen Spielergebnisse voraussagt. Noch hält sich der Weiße aber weise zurück. Dafür wies sich ein anderes Orakel aus. Bietigheim-Bissingens OB Jürgen Kessing weiß: Deutschland kommt ins Finale. Das Team habe immer gewonnen, wenn er mit Gemeinderäten nach Sitzungen Fußball geschaut habe. Und zum Halbfinale am 7. Juli ist es wieder soweit. Man müsse deshalb schauen, bis 21 Uhr mit dem Technischen Ausschuss fertig zu sein. Beim zweiten deutschen Gruppenspiel am 21. Juni (18 Uhr) wäre das nicht möglich. Die für diesen Tag angesetzte Gemeinderatssitzung wird deshalb verschoben, damit keiner mit dem Kopf nur beim Spiel ist und alle schauen können. Eine weise Entscheidung. jsw

 

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Sommerloch? Zumindest nicht in den Pfingstferien

Alle Jahre wieder… kommen sie, die Klagen vieler Lokaljournalisten, dass die Pfingstferien so schlimm seien. Keine Termine, keine Themen. Ganz ehrlich? Das ist doch ein Armutszeugnis. Die Pfingstferien sind in Baden-Württemberg gerade mal zwei Wochen lang, umfassen zwei Feiertage, an denen keine Zeitungen erscheinen. Und für die bleibenden zehn Ausgaben will man nicht genug Stoff haben?

schloss bietigheim

Kann eigentlich nicht sein (und das sage ich nicht nur, weil es in unserer Redaktion vor allem samstags Schwerpunkte gibt, oder welche speziell für die Ferien). Denn vor den Ferien sind in der Regel noch viele Sitzungen von Ausschüssen und Gemeinderäten – da fallen Themen an, die man weiterrecherchieren kann (z.B. ging es unter dem TOP Verschiedenes in Bietigheim-Bissingen um einen SPD-Antrag zur Kita- und Schulverpflegung, für den ich wegen freien Tagen zwar niemanden in Schulen/Kitas erreicht und dann auch keinen Platz gehabt, aber dann danach was gemacht habe). Dann gibt es sicher trotzdem die eine oder andere Pressemitteilung, die man nachrecherchieren kann bzw. sogar muss (die einer Schule verriet nichts über die Anmeldezahlen im Vorjahr, die der Stadt stellte sich bei der Anfrage beim Rektor (der zum Glück im Urlaub Mails liest), von dem ich eigentlich ein schönes Zitat wollte, sogar als falsch heraus).

Oder man macht eine eigene Aktion, lädt Leser dazu ein – da fallen sogar noch für die kommende Woche Themen an.  Man kann auch schon vor den Ferien eine Geschichte recherchieren, sogar mit Schulen😉.

Und es gibt sicher überall Geschichten, die man weiterdrehen kann. Zum Beispiel, wie es nach der Gemeinderats-Entscheidung für einen Bürgerentscheid derzeit weitergeht, viel Zeit bis zum Abstimmungstermin bleibt ja nicht. Oder bei der Polizei nachhaken, ob es neue Erkenntnisse zu Bränden und sonstigen Vorfällen gibt (wenn sie denn was sagt).

auwiesenbrücke bietigheim

Zuguterletzt gibt es sicher immer in den Ferien irgendwo an einer kritischen Stelle eine Baustelle, die zumindest ein Bild hergibt – oder für Ärger sorgt. Oft liegen die Themen – auch zu angeblich schwierigen Zeiten – also wirklich auf der Straße.😉

 

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Gran Canaria – Zwischen Meeresbrise und Krise

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Ein kalter Tag wie heute ist nahezu ideal, um noch einmal in Erinnerungen zu schwelgen, an einen Urlaub vor einigen Wochen mit deutlich wärmeren Temperaturen – es ging mal wieder auf die Kanaren, und zwar nach Gran Canaria. Doch dieses Mal war einiges anders als sonst. Am auffälligsten war die im Vergleich zu meinem Teneriffa-Urlaub im Januar 2012 deutlich schlechtere wirtschaftliche Situblog_EKZation in den Ferienorten.
Etliche Läden v.a. in Maspalomas / Playa del Inglés hatten geschlossen, an einer etwas abgelegeneren Stelle gar ein ganzes Einkaufszentrum. Die meisten Werbeschilder der Kneipen und Geschäfte waren bereits abmontiert, die Rollläden heruntergelassen. Nur noch ein paar Stühle oben auf dem Dach, wo mal eine Freiluftkneipe gewesen sein muss, erinnerten noch an bessere Zeiten. Und auch andernorts waren viele Läden geschlossen – und das, was noch da war, erinnerte eher an die 80er-Jahre. Böse gesprochen, gab es vor allem Kruscht zu kaufen. Etwas moderner und auch qualitativ besser waren da die Läden und Cafés im Ortsteil Meloneras, auf der westlichen Seite der Dünen.

Die Touriorte der Insel schienen insgesamt noch in einer anderen Zeit verhaftet zu sein – oder klammerten sich noch daran, denn oft war beim Angebot und Service noch Luft nach oben, und dazu zählte auch unser Hotel, das die vier Sterne nicht wirklich verdient hatte. Aber immerhin bot es neue Erkenntnisse beim Essen, es gab nämlich jeden Abend ein Büffet, das an ein anderes Land/Region angelehnt war (z.B. Spanien, Kanaren, China, Italien, Frankreich; nur die Nachspeisen waren immer einem Land entlehnt, das sehr viel Zucker produzieren muss). Und beim deutschen Abend gab es u.a. Wiener Schnitzel und Kaiserschmarrn sowie Rösti. Also irgendwie auch wieder eine ganz andere Zeit…

Eindrücke von der „Hauptsehenswürdigkeit“: Sand

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Aber die Sonne und die Temperaturen entschädigten dann doch für vieles. Erstere war so stark, dass ich mir gleich am ersten Tag, trotz Sonnencreme und Schattensucherei, einen Sonnenbrand geholt habe. Am zweiten Tag bot dann der Ausflug in die Hauptstadt Las Palmas ein wenig Abkühlung, da es im Norden nicht ganz so heiß wird, und sich zudem auch einige Wolken blicken ließen und der stets vorhandene Wind stärker war. Dorthin ging es wieder, wie schon auf Teneriffa, mit dem Linienbus. Es gibt auf den Kanaren zwar die vor allem für uns ungewohnte Gewohnheit, nur die Abfahrtzeiten der Endhaltestellen in den Fahrplänen (u.a. im Internet) aufzuführen, aber da es langsam Richtung Hauptsaison ging, fuhren die meisten Busse so oft, dass die Warterei recht kurz ausfiel. Las Palmas war dann auf jeden Fall ein interessanter Kontrast zu den Touriorten, mit Altstadt, „normalen“ Geschäften und etwas mehr spanischem Flair.

Eindrücke aus Las Palmas:

Ein weiterer Ausflug führte uns über Puerto Rico nach Puerto de Mogan, einst ein Fischerdorf, heute natürlich ein Touriort, der aber angesichts der Fahrt doch eher wenig an Attraktionen (und Fischerdorftypischem) bot.

Insgesamt aber weiß ich nicht, ob ich nochmal so lange auf die Kanaren fliegen würde. Höchstens nochmals im Januar/Februar, wenn es wenig Alternativen gibt, um mal ein paar Tage (und nicht eine ganze Woche) Sonne zu tanken, und dafür nicht noch mehr Stunden fliegen zu müssen (und dann schon gar nicht mit Condor – bei so wenig Service und Essen/Getränken kann ich wieder Ryanair nehmen, und das zu einem deutlich geringeren Preis).

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Landtagswahl: Rückblick auf meine Arbeit

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Wer die Wahl hat, hat die Qual. Und das traf dieses Mal tatsächlich zu – denn zum ersten Mal habe ich nicht nur zuvor viel berichtet (siehe Blogbeitrag vom Januar zum Auftakt), sondern auch am Abend einer großen Wahl gearbeitet. Hatte ich, was die Kandidaten angeht, zuvor hauptsächlich mit zweien der SPD zu tun – der eine davon, weil ich als einzige aus der Redaktion ihn schon kannte -, so widmete ich mich am 13. dann den Wahlpartys der FDP und den Grünen in der Bietigheimer Altstadt, während die Kollegin bei CDU und SPD in Bissingen war. Zur Qual wurde die Wahl zwar bei „meinen“ zwei Partys angesichts des Grünen Direktmandats und des guten FDP-Ergebnisses nicht. Dafür dauerte es bei dem CDU-Kandidaten umso länger, bis klar war, ob er den jahrzehntelang schwarz geprägten Wahlkreis überhaupt werde vertreten dürfen. Und es wurde ein langer Arbeitstag. Die Wartezeit, die es zwischenzeitlich immer wieder gab, füllten wir mit dem Schreiben von bunten Wahlereignissen.

wahlmuffinsUnd dem Essen der Wahlmuffins – diesmal auch mit bei den meisten entsprechend bunt gefärbten Teigen. Beabsichtigt war es zwar nicht, aber man konnte aus den Muffins einiges ableiten. Im Backofen fingen die (zuvor aufgetauten) Erdbeeren, die in einem der SPD-Muffins (links sowie ganz oben eine Reihe daneben) steckten, an, „auszulaufen“ und die neben ihnen backenden AfD-Muffins (mit Heidelbeeren aus dem Glas) „anzugreifen“ – so wie es Nils Schmid in der SWR-Elefantenrunde getan hatte. Und die Linken (zweite Reihe von links) fielen ziemlich in sich zusammen – schuld war das Preiselbeerdessert, das ich aus Versehen anstelle von klassischen Preiselbeeren erwischt hatte. Auch die CDU (Kakao und Schokostückchen im Teig, koalierte mit den Grünen auf zweitem Blech) wurde nicht so wie sonst.
Gegen 23 Uhr waren dann alle gewählten Bewerber klar – und dass es im Kreis Ludwigsburg mehrere Sensationen gegeben hatte: in allen drei Wahlkreisen holten die Grünen das Direktmandat, zudem gingen für die langjährigen Abgeordneten Klaus Herrmann (CDU) und den SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel im Landtag die Lichter aus. Und für uns dann nach halb eins schließlich auch.

Doch schon am nächsten Tag ging es weiter – unter anderem mit einer Nachbetrachtung und einem Interview mit dem SPD-Abgeordneten aus Bietigheim-Bissingen, der es nicht mehr geschafft hatte. Zudem gab es Analysen zum Abschneiden einzelner Parteien, vor allem der AfD.

Damit war für mich das Thema Landtagswahl vorerst beendet, nach rund zwei Monaten doch recht intensiver Begleitung. Mit ersten Wahlkreisvorstellungen, den Kandidatenporträts, Artikeln zur Briefwahl oder zu jungen Wählern, aber auch einigen bunten Stücken wie etwa über die Beschwerde über die CDU-Veranstaltung mit Guido Wolf. Und natürlich habe ich auch einige Veranstaltungen besucht, eben jene mit dem CDU-Spitzenkandidaten, ebenso an meinem Wochenenddienst Ende Februar die mit Jörg Meuthen (AfD), um vor Ort zu sein, falls es große Protestaktionen gibt. Doch Meuthen bietet weniger Angriffsfläche als etwa Frauke Petry oder Beatrix von Storch, deren Absagegrund für den Termin in Münchingen immer noch nicht ganz klar ist. Fast eine Stunde lang sprach Meuthen in der Ludwigsburger Musikhalle über das Thema Flüchtlinge, ganz wenig dann noch über andere Themen. Sein Ton ruhiger und sachlicher als manche Kandidaten in der Vorstellungsrunde zuvor. Zudem war ich im Ludwigsburger Scala, wohin Claus Schmiedel zur Übertragung der Aufzeichnung des MTV-Unplugged-Konzerts mit Cro geladen hatte – als wohl nur eine von sieben oder acht Nicht-SPD-Mitgliedern. Wie Cro und Claus Schmiedel zusammenpassen (außer dass man natürlich junge Wähler ansprechen wollte): auch er habe als junger Mann Musik gemacht, zudem war der Mann mit der Panda-Maske an Schmiedels Berufsschule Schüler. Und Cro singe von gutem Leben, das wolle auch die SPD erreichen, so Schmiedel zur Begrüßung. Nun, hat ja super geklappt… In der Liste dürfen auch die Grünen nicht fehlen: recht früh im Wahlkampf war Winfried Kretschmann im Kronenzentrum. Alle (größeren) Parteien auf einmal gab es dann beim BZ-Podium in Bietigheim, ebenfalls moderiert von meinem Chef. Die AfD war dabei vertreten, bekam nach einem eher schwachen Auftritt (dafür mit starken Bodyguards, die viele Klischees erfüllten) allerdings weniger Zuspruch an dem Abend als dann tatsächlich am Wahltag selbst.

Und auch wenn jetzt zwei Wochen und ein Urlaub seit der Wahl vergangen sind – bei mir geht es jetzt schon wieder mit der nächsten weiter. Denn noch vor den Sommerferien soll es in Bietigheim-Bissingen einen Bürgerentscheid über die geplante Biovergärungsanlage geben. Kommende Woche wird dieser das erste Mal im Gemeinderat behandelt, allerdings wird es dabei wohl nur um Formalien gehen, denn nach der überwältigenden Zahl an Unterschriften will nun auch die Verwaltung die Bürger abstimmen lassen, und nicht etwa den Gemeinderat erneut.
Nach der Wahl ist vor der Wahl.

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