Hello Helau!

Die fünfte Jahreszeit steuert auf ihren Höhepunkt zu. Thema ist das natürlich auch in den Lokalredaktionen – und selbst, wenn man kein besonderer Faschingsfreund ist, kommt man doch auf so manchen Artikel…

Aktuell gibt es von mir eine etwas andere Art der Vorschau auf den Bietigheimer Rathaussturm am Schmutzigen Donnerstag. Und eine Google Map mit einer Übersicht über Orte und frühere Artikel von mir.

 

Vorschau:

An diesem Tag, da ist‘s soweit,
mit viel närrischem Geleit,
heißt‘s für Kessing Abschied nehmen
von vielen schwier‘gen Themen,
mancher Räte spitzen Zungen
und Spitzen, die gelungen,
von manch ermüdender Debatte,
aber auch: der eigenen Krawatte.
Denn heut an Weiberfassenacht,
ist‘s vorbei mit Kessings Macht.
Narren zieh‘n zum Rathaus hin,
und ham dabei nur eins im Sinn:
den Schlüssel zu bekommen,
nachdem die Treppen sind erklommen,
die Reihen der Verteidiger gelichtet
und der Narrenbaum errichtet.

Doch was gibt es dort zu holen?
fragt sich mancher unverhohlen.
Denn nur die Macht macht keinen Spaß,
da muss doch noch was Einfach‘s sein, irgendwas
Wir haben deshalb nachgefragt,
hier nun das, was man uns gesagt:
Unten angefangen lagern die Geschenke,
Bücher, Gläser, alkoholische Getränke,
dazu noch einige Krawatten,
(nein, nicht die, die einige bis heut noch hatten)
die die Stadt so unterm Jahr verschenkt
und so die Gunst in günst‘ge Bahnen lenkt.
Dazu gibt‘s in so ’nem Haus,
viel‘ PCs samt Maus,
Stifte, Stempel und Papier,
und, ganz neu eingeführt hier,
Tablets, kleine, flache Computer,
wo mancher Rat erst fragte: tut er?
Doch bislang gab‘s kaum Klagen,
so das Hörensagen.

Ganz oben aber ist noch was,
schön platziert und unter Glas,
leicht versteckt und ohne Licht,
(sowas macht man eigentlich nicht)
eine Vitrine mit so manchem Souvenir
wohl ausgesucht mit viel Plaisir,
in Bietigheimer Partnerstädten,
als da wären Münzen, Ketten,
große, kleine Dekoteller,
vieles mehr für‘n Keller…
Denn nicht jedes Teil ist schön,
manches mehr zum Abgewöhn‘.
Doch das ist nicht der Grund für wenig Licht
sondern Strom, den‘s da gibt nicht
an dieser Stell‘ im alt‘ Gemäuer,
anders wär‘s, wär‘s Rathaus neuer.

So, das alles gäbe es zu holen,
doch wir hoffen, es wird nix gestohlen.
Denn für die Narren gibt es wirklich was:
perlend-spritzig‘ Nass,
spendiert vom Bürgermeister
für die Narrengeister,
damit sie gnädig sind gestimmt,
und ein jeder sich benimmt,
bis er wieder ist der Boss
und hat das Teil fürs Rathausschloss.

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Älles bio, älles subbr – die „Prenzlschwäbin“ im Forum

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„Net lacha!“, ruft Bärbel Stolz am Donnerstagabend immer wieder von der Bühne im fast ausverkauften Bürgersaal des Ludwigsburger Forums. Doch so ganz klappt das nicht. Mehrfach platzt es aus den Zuschauern heraus, als die als „Prenzlschwäbin“ bekannte Schauspielerin versucht, zur eigenen Entspannung in ihr „drittes Auge zu schnaufa“ – so wie man das halt macht im hippen Prenzlauer Berg.
Dort ist vieles anders, und mit ihren Parodien auf Youtube über die Erlebnisse einer Schwäbin in Berlin ist Bärbel Stolz so richtig bekannt geworden. Und auch beim Ludwigsburger Gastspiel ihrer Tour „Isch des bio?“ erfahren die Zuschauer, welche peinlichen Situationen sich ergeben können, wenn man in einer Berliner Bäckerei einkaufen will. Dass die Fachverkäuferin nein, das ist weder ein Langarmshirt noch ein Rollkragenpulli, sondern sind Tätowierungen sich blöd stellt, wenn man einen Berliner will, ist noch harmlos. Doch sogar das Brot kaufen wird’s schwierig, dort, wo altbackenes Bauernbrot zu „Vintage Farmer’s Bread“ wird. Voll hip eben.
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So sieht es aus, wenn man ins dritte Auge schnauft.

Ganz im Gegensatz zu den Wörtern Bitte und Danke. Mit denen komme man immer sehr weit, habe ihr ihre Oma beigebracht – doch die sei noch nie in Berlin gewesen, sagt die Prenzlschwäbin, denn dort bilde man sich auf schlechte Erziehung sogar noch etwas ein. Und dann berichtet sie von Erlebnissen mit knurrigen Busfahrern und Bedienungen in Cafés und Kneipen, die ihre Bestellwünsche („Bitte Bio!“) öfters mal ignorierten – ihr im Publikum aber viele Lacher garantieren.
Wohl größer aber ist der Kampf zwischen den Kulturen, nicht nur beim Kartoffelsalat, in den die Berliner „viel Kruscht“ (Champignons, Äpfel und   am meisten ihhh!“: Mayo) packen, oder wenn mal wieder das Auto eines verhassten Schwaben abgefackelt werde, in ihrem Fall schon drei Stück. Doch das bringt sie nicht aus der Ruhe, denn man solle eher Brücken bauen, statt sie einzureißen, findet sie. Und empfiehlt deshalb auch wagemutig Autonomen während einer Demo gegen Gentrifizierug und steigende Wohnungsmieten einen Bausparvertrag. So wird das nichts mit der Integration, und weil sie so voll krass schwäbelt“ scheitert auch ein Date mit einem Berliner (also einem lebendigen, keinem Pfannkuchen).
Zum Glück gibt es die Freundin Ulrike, die vor einem halben Jahr aus Bietigheim nach Berlin gezogen sei (mehr dazu weiter unten). Mit Ulrike lässt sich wunderbar anderen Menschen die Mülltrennung erklären und einen hippen Smoothie in der Sorte Linsen mit Spätzle bestellen. Doch irgendwann wird sie zur Konkurrenz um den begehrten Kita-Platz – und unerkannt aus dem Prenzlauer Berg gemobbt. Kinder seien zwar mittlerweile wieder out, aber nun hat sie halt mal den Hugo-Bruno-Luis und die Wikipedia. Und versorgt sie mit Bio-Fischschtäble und Co. Doch manchmal können sie durchaus anstrengend sein, zwischen all den anderen Kindern der anderen Hipster-Eltern. Immerhin: Ganz so modern ist die Prenzlschwäbin dann doch nicht, denn sie will ihre Kinder nicht später selbst entscheiden lassen, welches Geschlecht sie haben, und ihnen bis dahin einen neutralen Namen wie Emoji geben. Ist ja auch nicht schön, besser wären doch Städtenamen. Wie Magdeburg, oder eben Bietigheim.
Ganz so leicht ist dann doch nicht alles, auch nicht die viele Fotografiererei des eigenen Lebens und das „Fremdie“ mit dem Publikum, das sie mithilfe ihres am Schluss auftauchenden Bruders Martin macht (mit dem sie zu Beginn schon aus dem Off eine Diskussion um ihren Kartoffelsalat geführt hat), weil der „Selfieschdecka“ fehlt. In dem Fall könnte aber auch eines helfen: einfach ins dritte Auge atmen. Und so viel lachen, wie es das Ludwigsburger Publikum getan hat.

 

Dieser Text erschien in einer gekürzten Fassung am 28. Januar in der Bietigheimer Zeitung. Und gerade wegen dieses Ortes musste ich Bärbel Stolz nach der Show fragen:

 

Warum ausgerechnet immer wieder Bietigheim? „Ich mag den Namen total gerne. Ich hatte eine Nachbarin, als ich Kind war, die kam ursprünglich aus Bietigheim. Und hat das t so weich ausgesprochen [macht es vor]. Das fand ich super.“
Und gibt es auch eine Freundin namens Ulrike? „Ja, die ist tatsächlich aber Berlinerin. Und die nehme ich immer gerne mit. Bei einem Auftritt in Esslingen saß übrigens mal eine echte Ulrike aus Bietigheim im Publikum. Das bleibt dann in Erinnerung.“
Warst du denn überhaupt schon mal in Bietigheim? „Nein, ich bin immer nur dran vorbei gefahren. Aber vielleicht klappt es ja mal. Es muss ja auch noch Träume geben. Vom Mythos Bietigheim.“
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Berlin, Berlin, wir waren in Berlin

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Nein, 2016 war ich nicht gerade kreativ, was die Ziele meiner Reisen und Kurztrips anging, alles schon mal dagewesen. Erst im März eine Woche Gran Canaria, ein paar Tage München, dann über die Brexit-Entscheidung nach London, rund um den Geburtstag nach Hamburg – und zuguterletzt drei Tage Berlin mit einem Angebot des örtlichen Tourismusbüros (Bahnfahrt + Hotel). Wobei man auch da immer wieder etwas Neues machen kann.

Und so waren wir unter anderem im Kabarett und beim rbb. Schon das „Haus des Rundfunks“ ist sehenswert, von außen merkt man das allerdings weniger, da das große Hochhaus daneben, in dem vor allem die Verwaltung sitzt, eher die Blicke auf sich zieht. Der Grundriss entspricht dem eines Dreiecks, mit leicht nach außen gewölbten Seiten. Im Innern sind die Sendesäle, schon damals so gebaut, dass sie weit weg und möglichst gut abgeschirmt vom Straßenlärm sind. Beeindruckend war auch der größte der Säle, in dem öfters Veranstaltungen sind oder Konzerte gespielt werden. Interessant waren auch die Farbenspiele in einem der Säle, in denen die TV-Aufzeichnungen stattfinden, und in denen modernste Technik steckt. Für mich als Print-Redakteurin beneidenswert war dann zu sehen, wie gelassen und wenig gestresst die anwesenden Radioleute waren.

Auch die anderen Tage waren mit Besichtigungen gefüllt. Unter anderem mit einem Rundgang mit einer lustigen wie auch kompetenden Stadtführerin vom Brandenburger Tor über das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas (auch echte Qualitätsarbeit, die Stelen, mit ihren zahlreichen Rissen) und weiter Richtung Checkpoint Charlie bis zum Gendarmenmarkt.

Relativ lange waren wir zudem im Deutschen Film- und Fernsehmuseum. Dort gab es anlässlich der 1000. Sendung eine Sonderschau zum Tatort, mit Zusammenfassungen einzelner Epochen und einem Ausblick auf eine Folge aus Ludwigshafen, die erst 2017 kommt. Und zahlreiche Ausstellungsstücke, etwa das hässliche Teil, das Götz George oft anhatte, und das zum Glück unter Glas luftdicht verschlossen war ;-).

Nicht fehlen durften natürlich auch die Fahrten mit dem 100er oder 200er Bus von unserem Hotel in der Nähe des Bahnhofs Zoo aus („Lindner“, aufgrund der sehr guten Erfahrungen aus Hamburg). Verzichtet haben wir diesmal auf einen Besuch im Zoo, ist in der dunkleren Jahreshälfte vielleicht auch nicht so sehenswert (v.a. in Relation zum Eintrittspreis). Aber immerhin gab’s Fische zu sehen. Denn obwohl ich schon recht oft in Berlin war, bin ich noch nie in dem Hotel mit dem riesigen Aquarium gewesen, in dem wir zwischendrin Pause gemacht haben – und bei all den Kilometern, die wir zurückgelegt haben, waren die auch nötig.

So, nun mal sehen, wo’s 2017 hingeht. Diesmal werden aber Premieren dabei sein. Denn Salzburg steht auf jeden Fall schon mal auf dem Plan. Und bestimmt irgendwas Warmes in den ersten Monaten des neuen Jahres.

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Stuttgart sieht rot – die US-Wahlnacht des DAZ

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Es war die Nacht der großen Entscheidungen: Linker oder rechter Eingang? Roter oder blauer Button? Reden oder Musik? Chili con carne oder Tortilla Chips mit Dips? Dieses oder jenes Plakat? Und letztlich vor allem: Trump oder Clinton? Denn darum ging es am vergangenen Dienstag, im Konferenzgebäude der IHK Region Stuttgart. Von 21 Uhr an gab es ein Programm rund um die US-Wahl – und deren Ausgang hat Stuttgart quasi schon vorausgesagt. Denn kurz nach Beginn der Veranstaltung lagen nur noch wenige rote Trump-Buttons auf dem großen Tisch am Eingang. Sie waren stattdessen an vielen Jacketts zu finden, während die blauen Hillary-Anstecker noch auf Träger warteten.

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Ja, Jacketts. Denn Klischees wurden an diesem Abend reichlich bedient. Es waren überwiegend Männer im Anzug und mit Manschettenknöpfen und ähnlichem, die sich für Trump entschieden hatten, während Blau eher bei Frauen und Farbigen zu finden war. Sie alle aber erlebten ein echtes Wechselbad.
Jubelten bei den ersten Wahlergebnissen, übertragen von CNN auf die Stuttgarter Großbildleinwand, gegen halb zwei zunächst die Trump-Anhänger, waren es später die von Clinton. Ehe dann, weit nach dem offiziellen Ende, am frühen Morgen schließlich Trump samt Familie die Bühne betrat, manche müde, andere voller Kreide, wie böse Zungen sagen.

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Ganz links: Dennis O’Donohue von den Demokraten, ganz rechts Michael D. Pierce. Dazwischen Professoren und SWR-Moderator Günther Laubis.

Die hatte zumindest keiner der Teilnehmer eines angebotenen Podiums gefressen gehabt. Viele Zwischenrufe bei den Beiträgen des jeweils anderen lieferten sich vor allem die Vertreter der konkurrierenden Parteien. Michael Pierce, Sprecher der Organisation „Republicans Overseas“ hatte sich vor der Runde siegessicher gegeben, und für ein Foto selbstbewusst mit erhobenem Daumen und breitem Grinsen posiert. Er verteidigte Trump vehement, seine Aussagen seien von vielen falsch gedeutet, was ihm auch aus dem Publikum Buhrufe einbrachte. Trump sei gefährlich, vertrat Dennis O’Donohue (Democrats Abroad) die Gegenmeinung.

Das war auch die These, die sechs der jugendlichen Mitglieder der Debating Society Germany als Aufgabe für ihre „Show Debate“ bekommen hatten: „Ist Trump eine Gefahr für den Frieden?“ mussten drei von ihnen begründen, andere widerlegen – alles auf Englisch. Und Show Debate war auch der passende Ausdruck, manche der Schülerinnen wirkten schon sehr übertrieben und unnatürlich, wenngleich ihr sprachlicher Ausdruck und  ihr Wissen und ihre Argumente sehr beeindruckend vorgetragen wurden. Gereicht hat es übrigens da ebenfalls nicht für das Clinton-Lager, die anschließende Publikums-Abstimmung, wer besser argumentiert hatte, gewannen die Gegner der gestellten These deutlich.

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Doch natürlich ging es nicht nur um Politik und harte Fakten – wie könnte das angesichts des vorangegangenen Wahlkampfs auch anders sein. Youtuber Mirko Drotschmann aka MrWissen2go zeigte Beispiele von Verschwörungstheorien wie die einer Doppelgängerin von Clinton oder dass diese aufgrund unterschiedlichster genannter Krankheiten schon längst tot sein müsste. Nicht fehlen durften auch die „Neuvertonungen“ von Wahlkampfauftritten, einmal musikalisch, einmal auf Schwäbisch. Ein Stockwerk drüber wurde unterdessen Country und anderes gespielt, es gab Muffins und Herzhaftes, Kaffee, US-Bier und deutsche Ökolimo und in einzelnen Vortragsräumen wurde das Wahlsystem erklärt, Spiele angeboten, die besten Plakate von Schülergruppen gewählt oder Video-Botschaften von Vertretern befreundeter Stiftungen übertragen. Und man konnte sich mit diversen Wahlkampf-Utensilien ausgestattet fotografieren lassen. Natürlich wahlweise mit Clinton oder Trump. Bis, so sehen es sicher viele, zum Morgengrauen.

Was nun in den kommenden Monaten folgt und was gewesen wäre, wenn…? Keiner weiß das so richtig – ein paar gute Gedanken dazu gibt es aber hier.

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Ausflug nach Karlsruhe

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Ach, ich weiß gar nicht, was da heute beeindruckender war. Schon am Morgen die Tatsache, dass rein zufällig ausgerechnet die Lok des Fanzugs liegenbleibt wegen technischen Defekts, die großen Löcher mitten in den Straßen (für die U-Strab – und trotzdem gilt wohl immer noch Stuttgart als größte Baustelle Europas, oder? Also nicht mal nen Titel für KA…), die Erkenntnis, dass es nix hilft, wenn man noch nie so schnell auswärts in ein Stadion reingekommen ist (man muss ja auch wieder raus, Stichwort Blocksperre, weshalb man wenigstens ein leeres Stadion fotografieren kann), die kuriose Art und Weise, wie man im Wildpark die Aufstellung der Gästemannschaft präsentiert (durch ein Bestattungsunternehmen) und die Kartenstatistik (durch einen animierten Mülleimer mit KSC-Logo), dass ausgerechnet die Versicherung „die württembergische“ Sponsor ist und über dem KSC-Stehblock wirbt, die große Choreo mit einer ungewöhnlichen Weitsicht, wer denn der spätere Sieger sein würde (der, auf den die Hand zeigt 😛), dass VfB-Fans mal klatschen, wenn KSCler vorbeilaufen (nämlich beim Auslaufen, direkt vor unserer Nase – man hätte auch auf nur einer Spielfeldhälfte rennen können) – oder einfach nur das Ergebnis? Uno, due, tre – Tore und Punkte

Der in früheren Spielzeiten oft beschworene „goldene Oktober“ – der Monat, in dem nach den fast schon traditionellen Fehlstarts endlich Punkte aufs Konto kommen sollten – war damit wirklich mal einer. Aber auch einer, in dem es mit den Siegen klappen musste, um das „Abenteuer“ Zweite Liga schnell wieder beenden zu können (wie beim letzten Mal, dazu ein Verweis auf einen früheren Artikel zu Fußballvereinen im Ländle). Ein Abenteuer, das uns zu Monatsbeginn eine Mitgliederversammlung bescherte, mit einer Stimmung vergleichbar der Mäuser-Wahl. Auch damals hatte der Aufsichtsrat nur einen Kandidaten präsentiert, wenngleich einen, der nicht schon bei der Bekanntgabe so polarisierte wie Dietrich. Auch damals wurde das Schreckgespenst des völligen Chaos, vielleicht sogar bis zu Problemen mit der DFL, heraufbeschworen, sollte der Wunschkandidat nicht gewählt werden. Auch damals hatte der Kandidat in seiner Vorstellung auf der Bühne wenig Habhaftes präsentiert.
Wolfgang Dietrich hatte – anders als früher – dazu sogar mehr Gelegenheit, denn diesmal setzte man mehr auf den „Dialog“ im Vorfeld, und hatte zu gleichnamigen Veranstaltungen eingeladen. Eine geriet zum Desaster, eine weitere zwei Tage später, bei der ich war (damit der Platz für unseren Fanclub nicht verfällt; meine Meinung über ihn stand fest, seit er sich bei S21 öfters als wenig integer gezeigt hat), dürfte nicht allzu viele Skeptiker überzeugt haben. Das galt auch bei der MV selbst, bei der überraschend viele Kritiker Rederecht bekommen hatten, unter anderem auch Chris Prechtl, der „nur noch eine Frage“ an den Kandidaten vor allem zu seiner Quattrex-Beteiligung hatte – und dann a), b), c) usw. anfügte ;-), allesamt aber scheinen mir nach wie vor sehr fundiert zu sein. Anders als etwa Redebeiträge von Dietrich-Befürwortern, allen voran der des Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück, der auf der Bühne ein Loblied auf sich selbst und sein Engagement für benachteiligte Kinder sang, ohne jeden Bezug zum VfB. Oder der des Unternehmers, der den Dietrich-Kritikern, die den „Spalter“-Aufkleber entwickelt hatten, vorwarf, er habe mit ihnen gesprochen und sie hätten kein Konzept. Gut, dass man danach einem der so Gescholtenen Rederecht gab – und der widersprach. Man habe nie miteinander gesprochen und der Unternehmer habe mitnichten den Kontakt gesucht.
Am Ende hat es für Dietrich und die Unternehmer-Fraktion knapp gereicht. Wie das allerdings ausgegangen wäre, wäre die deutliche Niederlage in Dresden (0:5) eine Woche früher gewesen und nicht der Heimsieg gegen Fürth (4:0), ist mehr als fraglich…

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Tag des offenen Denkmals: der Eiermann-Campus

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Jedes Jahr fast das gleiche Programm: Zum Tag des offenen Denkmals gibt es Führungen durch Bunker, Kirchen, historische Villen und ein – zugegeben besonderes – Logen-Haus. Fast. Denn 2016 gab es aus meiner Sicht ein Highlight, und dann auch noch ein seltenes, in der Region Stuttgart: Führungen durch die ehemalige IBM-Hauptverwaltung in Stuttgart-Vaihingen, auch bekannt als Eiermann-Campus. Seit 2009 stehen die Gebäude leer, immer wieder hatte sich eine Nachnutzung zerschlagen. Die Natur hat sich seitdem viel Raum zurückerobert, und das macht einen gewissen Reiz aus. Nur leider war seit 2009 auch der breiten Öffentlichkeit kaum mal der Zutritt erlaubt, bis eben zum 11. September.

Am Tag zuvor hatte ich zufällig erfahren, dass man diesmal auch den Eiermann-Campus besichtigen kann. Zu spät eigentlich, um sich noch wie nötig beim Landesdenkmalamt anzumelden. Aber zum Glück wurden nur die Bestätigungen derjenigen kontrolliert, die mit dem Auto auf das Gelände und dort parken wollten 😉

Schon gleich nach dem Eingang gab es jede Menge Informationen über Denkmäler in der Region (lustig für mich auch zu sehen, dass sogar das Bissinger Rathaus darunter war). Und noch mehr Infos gab es dann durch Oliver Sorg vom Denkmalamt, der die große Gruppe eine knappe Stunde lang durch die Gebäude (Stahlrahmenkonstruktionen) führte, und auch den Unterschied zwischen den früheren und einem nachträglich erstellten erklärte, das stärker gegliederte Fenster (zum Öffnen) aus Holz aufwies. Allen gemein war aber, dass sie sich an die bestehende Umgebung angepasst hatten, zwischen Bäumen und Autobahn. Das Innere der besichtigten Gebäude vermittelte jedoch einen ganz anderen Eindruck als die an einigen Stellen schon überwucherten Zugänge. Die Teppichböden waren zwar altmodisch, ebenso die Poststelle mit ihren Drahtkörbchen hinter den Milchglasfenstern – aber alles eigentlich noch gut erhalten, was für die damals verwendete Qualität der Materialien spricht.

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Doch viel Geld muss in das Gelände gesteckt werden, einfach so weiter als Büros nutzen kann man es aufgrund der zum Beispiel heutzutage erhöhten Brandschutzanforderungen nicht. Zudem sollen Wohngebäude mit insgesamt vielen Einheiten entstehen, um die hohen Investitions- und Sanierungskosten auszugleichen. Im Herbst könnten detailliertere Pläne vorliegen.

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Bietigheimer Pferdemarkt – mal anders

Alljährlich rund um den ersten Montag im September ist in Bietigheim-Bissingen „fünfte Jahreszeit“: Pferdemarkt. Und den gilt es natürlich journalistisch zu begleiten. Neben dem Standardprogramm vorausschauend und rückblickend (beim Festzug am Montag oder dem Seniorennachmittag) habe ich mich in diesem Jahr zu einigen Extras entschieden – zum Beispiel für das Onlineangebot mit einem schicken Vergleich historischer und aktueller Bilder vom Pferdemarktfestzug mit Schiebereglern (unter Mithilfe der Onlinerin für das Bilder-zurechtschneiden), einem Teil meiner Wege-Serie ebenfalls zum Festzug und die Begleitung einer nächtlichen Polizeistreife (mit Bildern von Martin Kalb). Eine kurze Version der Reportage gab es in der Printausgabe, die lange im Online-Auftritt und hier.

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Nachts auf Streife: „Einfach nach Hause gehen!“

Die Polizeipräsenz beim Pferdemarkt ist diesmal verstärkt worden, unter anderem mit Bereitschaftspolizisten. Ihre Einsätze waren aber zumeist harmlos.

blog_pm_fassanstichBietigheim-Bissingen. Freitagabend, kurz nach 20 Uhr: Im Festzelt des Bietigheimer Pferdemarkts fließt das Bier bereits reichlich in die Gläser. Auch im Polizeirevier in der Stuttgarter Straße wird nachgeschüttet – aber nur mit Kaffee und Wasser. Die Einsatzbesprechung der Streifen für den Pferdemarkt ist beendet, hier im Obergeschoss, in dem einige Tische zusammengestellt und zusätzliche Laptops aufgestellt wurden. Immer zu fünft oder zu sechst machen sich die Beamten nach und nach zu Fuß oder mit einem Auto auf Richtung Festplatz und Altstadt. Rund 25 uniformierte Beamte sind im Einsatz, Bietigheimer wie auch Polizisten aus Kornwestheim und Kirchheim. Dazu kommen welche in Zivil. Insgesamt ist es ein Drittel mehr an Einsatzkräften als 2015 – eine Folge der jüngsten Anschläge und Ereignisse in Deutschland.

Noch ist alles recht ruhig. Der Truppführer und sein Bietigheimer Kollege nutzen die Gelegenheit, um den vier jungen Bereitschaftspolizisten aus Göppingen den Bereich zu zeigen. Deren Einsatz ist nicht ungewöhnlich, schon für das vergangene Jahr habe man von dort Verstärkung angefordert. Aufgrund einer anderen Veranstaltung hätten diese aber nicht kommen können und die Bietigheimer wurden von Revieren aus Nachbarkreisen unterstützt. Die kleine Besichtigungstour führt die Holzgartenstraße entlang, vorbei am Japangarten. Dort leuchten unzählige Smartphones auf. „Falls ihr nochmals herkommt: hier gibt’s viele Pokémons“, scherzt einer der Beamten. Aber die Spieler, die dort sitzen, seien harmlos, auch wenn das viele Anwohner nicht so sehen und sich wegen nächtlicher Ruhestörung auch bei der Polizei meldeten. Ein größeres Problem sei da vielmehr die Vermüllung, findet er.

Weiter geht es über die Hauptstraße und die Enzwiesenbrücke in den Bürgergarten. Stockdunkel ist es dort bereits an manchen Stellen. Hier wäre aus Sicht der Polizei mehr Licht wünschenswert. Das machen die Beamten nun selber, leuchten mit ihren Taschenlampen auf die Grünflächen. Dort sitzt bereits ein sichtlich betrunkener Jugendlicher. Die Sechsergruppe geht weiter, quer durch den Vergnügungspark. Vor allem die Bereitschaftspolizistinnen werden dabei immer wieder angemacht, der Alkohol macht viele jungen Männer mutig. Doch die Frauen ignorieren das, den Blick stur geradeaus. „Damit muss man leben“, sagt eine der Göppingerinnen. Aber solche Einsätze seien immer noch besser als bei vielen Demonstrationen, wo die Bereitschaftspolizisten oft stundenlang an den Gittern stehen, findet sie. Gerne würde sie mal auch auf dem Wasen arbeiten – ein Ansinnen, das eine der Bietigheimer Polizistinnen nicht verstehen kann. Dort sei es weitaus schlimmer als auf dem Pferdemarkt, inklusive vieler Betrunkenen, die „uns die Wache vollkotzen“.

Der erste Einsatz: Zwei Mal Körperverletzung, einmal Hausfriedensbruch
Der Trupp ist am Ziel, der Sporthalle am Viadukt. Die Männerumkleide dient während der folgenden Stunden als eine Art kleine Dienststelle. Kurz nach 21 Uhr gibt es den ersten Einsatz. Eine Körperverletzung am unteren Zelteingang wird gemeldet. Dort liegt bereits ein junger Mann ausgestreckt am Boden, die Sicherheitsleute des Festzelts umringen einen anderen – normalerweise ist das Revier klar abgesteckt: uniformierte Polizei draußen, Security im Zelt. Der Polizeitrupp teilt sich auf. Zwei Beamte befragen einen dritten jungen Mann zu dem Geschehenen. Auch er will von dem mutmaßlichen Täter geschlagen worden sein, noch im Festzelt, nachdem er ihn zuvor gebeten hatte, ihn nicht ständig anzufassen. Die Folge war dessen Rausschmiss aus dem Zelt, doch dann sei er wieder gekommen. Draußen kam es dann zu dem Faustschlag gegen den Kopf des auf dem Boden Liegenden, der nun vom Roten Kreuz abtransportiert wird.

Auch der mutmaßliche Täter ist weggebracht, sitzt nun in der Männerumkleide, ebenso wie sein Begleiter, der von den Beamten als erster befragt wurde. „Sag die Wahrheit!“, ruft er ihm im Hinausgehen zu. Doch daraus wird kaum etwas. Denn der Atemalkoholtest ergibt mehr als zwei Promille. So sei es nicht ratsam, Aussagen zu machen, erklärt ihm eine Beamtin. Der Großteil der Ermittlungen wird aber ohnehin erst später folgen. Denn gerade bei Körperverletzungen in diesem Umfeld sei es oft schwierig festzustellen, wer was getan habe, so die Polizistin. Folgen sind dann öfters auch Anzeigen gegen die, die zunächst nur als Geschädigte galten.

Die Sache könnte eigentlich schnell erledigt sein, doch der junge Mann scheint auf Streit aus. „Ihren Namen und Ihren Dienstgrad!“, sagt er plötzlich zu einem Bereitschaftspolizisten. Denn dieser habe ihn angefasst, einfach nur angefasst. Eigens telefoniert er dazu mit einem Verwandten, erzählt, was passiert ist. „Der arbeitet beim Bundespolizeiministerium“, sagt er, und fordert immer wieder die Daten des jungen Beamten. Seine Kollegen können sich ein Grinsen ob der genannten Arbeitsstelle kaum verkneifen. Später, als der Bereitschaftspolizist nach längerem Hin und Her auch seinen Vornamen genannt hat und der mutmaßliche Täter gegangen ist, bricht es aus den Polizisten heraus. Denn der junge Mann hatte auf die Frage der Beamtin, ob auch er Verletzungen geltend mache, angekündigt, er werde sich erst von einem Gerichtsmediziner untersuchen lassen. „Das empfiehlt sich bei Ihrem Zustand eigentlich noch nicht“, hatte sie ihm trocken geantwortet.

Erst fehlt ein Opfer…
Doch schnell wird es wieder ernst – vermeintlich. Denn kurz nachdem sie den Schriftkram erledigt haben, und jeder berichtet hat, was ihm wer gesagt hat, wird eine weitere Körperverletzung gemeldet, direkt beim Hallenbad. Vom mutmaßlichen Täter seien die Personalien bereits von einer anderen Einsatzgruppe aufgenommen, wird vermeldet. Doch vom Opfer fehlt jede Spur. Die Beamten suchen alles ab, leuchten in dunkle Ecken – nichts, auch beim Roten Kreuz sei niemand Entsprechendes angekommen, heißt es dort.
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Lange suchen im Getümmel können die Beamten nicht, denn bereits der dritte Vorfall wird gemeldet. Auch ein weiterer Trupp ist auf dem Weg zum Einsatzort ganz in der Nähe des oberen Zelteingangs. Zwei der Beamten haben bereits einen jungen Mann angesprochen, der rasch zum Süßigkeitenstand gegangen ist. Schnell kommen die Sicherheitsleute des Zelts dazu, stellen sich um die Szene auf, um möglicherweise gewaltbereite Freunde des Verdächtigen und Schaulustige abzuhalten. Und die bekommen auch schnell etwas zu sehen. Der Verdächtige kommt einem Beamten nahe, versucht, ihn abzudrängen. Doch wohl allein schon aufgrund seiner entsprechenden Körperhaltung waren die Polizisten vorbereitet. Schnell liegt der Verdächtige bäuchlings auf dem Boden, die Hände geschlossen, wie es im Jargon heißt. „So kann er sich besser beruhigen“, erklärt einer der Beamten, das sei besser, als einen vielleicht noch Widerspenstigen am Arm zu packen. Andererseits provoziere das aber auch Handyvideos der Umstehenden, weiß er.

Doch die Situation beruhigt sich schnell, wenig später ist der Verdächtige wieder frei – und die Beamten beim nächsten Einsatz, diesmal am unteren Zelteingang. Beteiligt ist ein Jugendlicher, mit dem die Beamten schon eine knappe Stunde zuvor zu tun hatten, als er sichtbar betrunken an einem Zaun lehnte. Nein, er brauche keinen Rettungsdienst, hatte er da noch gesagt. Nun wird er wieder von einem Freund gestützt, was genau passiert ist, ist unklar. Immer mehr Jugendliche kommen dazu. Doch plötzlich streckt er sich und rennt los, bleibt unterm Viadukt stehen. Noch mehr junge Männer kommen dazu. Nun müssen sich die Beamten entscheiden: Braut sich hier etwas zusammen und bleiben sie alle, oder gehen sie zurück, wie zuvor vereinbart, Richtung Eingang des Zeltes, das bald schließt, was erfahrungsgemäß für Probleme sorgen kann. Sie entscheiden, sich aufzuteilen, die zwei Bietigheimer Beamte bleiben bei der Gruppe junger Männer, zwei auf halben Weg zum Zelt, zwei kurz davor. Zu ihnen gesellen sich zwei Zivilbeamte, die innen drin waren.

Die Suche nach den Tätern
0.20 Uhr. Noch läuft die Musik im Zelt, erst mit einigen Minuten Verzögerung ist die Party dort beendet. Es bleibt alles ruhig am Zeltausgang. Anders in der Altstadt. Eine Massenschlägerei wird gemeldet. Gleich mehrere Trupps rennen los, auch eine Bus-Besatzung ist unterwegs. Am Fräuleinsbrunnen ruft ihnen ein junger Mann zu: „Dort drüben sind die Geschädigten“, auch Sanitäter fahren in dem Moment vor, allerdings ohne tätig werden zu müssen. Ein Trupp befragt die beiden Männer, die von zwei anderen aus einer großen Gruppe heraus Schläge ins Gesicht bekommen haben, für sie ohne Grund; zwei weitere Männer sollen ebenfalls geschlagen worden sein. Die anderen Beamten ziehen weiter in Richtung des Lokals, in denen der Täter sein soll. Von ihm liegt eine recht detaillierte Beschreibung vor – doch gefunden wird er nicht. „Eigentlich könnten wir die beiden Fälle zusammenführen, den vom Hallenbad und den jetzt“, scherzt einer der Beamten, „dann haben wir Opfer und einen Täter.“

Der Trupp ist mittlerweile wieder auf dem Festplatz angekommen, auf dem die Betreiber die Müllhaufen zusammenkehren. Die Beamten postieren sich vor dem Autoscooter. Immer mal wieder leuchten sie heimkehrende Festbesucher an, auf der Suche nach dem Täter von vorhin. Und immer mal wieder werden sie von betrunkenen jungen Männern angesprochen, teils angepöbelt. Was sie hier wollten, ist oft eine Frage. Und dass die Polizei „immer scheiße“ ist, bekommen sie etliche Male zu hören. „Einfach nach Hause gehen!“, sagt einer der Bereitschaftspolizisten deshalb immer wieder.

Es wäre für viele Besucher wohl schon zu einem früheren Zeitpunkt das beste gewesen. „Es ist erschreckend, wie viele sich hier zutrinken“, sagt ein älterer Beamter wenig später in der Umkleide der Sporthalle. Nach 23 Uhr habe man eigentlich nur noch mit einem zu tun gehabt, der klar gewesen sei. In seiner Jugend habe es das in dieser Form nicht gegeben.

Großes Problem: Alkohol
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Eine Einschätzung, die von vielen Seiten zu hören ist, auch wenn es bislang recht friedlich geblieben ist, so die Einschätzung am Sonntagnachmittag ebenso von den Verantwortlichen des Festzelts. Dort hatte es erstmals nicht mehr nur sporadische, sondern gerade abends komplette Taschenkontrollen und in der Folge Schlangen am Eingang gegeben. Es habe aber keine Schwierigkeiten gegeben, im Gegenteil, heißt es beim Betreiber Göckelesmaier. Das DRK hingegen verzeichnete am Sonntagnachmittag mit 53 Patienten (davon sieben in die Klinik, darunter einer mit dem Notarzt) mehr Einsätze als vergangenes Jahr (28 plus fünf ins Krankenhaus). Vor allem Wunden seien etwa am Samstag zu versorgen gewesen, dagegen nur ein Patient mit Kreislaufschwäche.

Die Auswüchse von zu viel Alkohol sind wenig später erneut zu sehen. Ein Zwischenfall bei einem der noch geöffneten Lokale wird gemeldet. Auch hier soll ein junger Mann handgreiflich geworden sein, er sitzt bereits unter Aufsicht der Security im Freien. Seine Personalien werden nach einigem Hin und Her aufgenommen, auch hier stoßen Kumpane von ihm dazu, auch hier müssen sich Beamte aufstellen, um eine gewisse Trennung zu schaffen. Es ist bereits viertel nach drei, noch immer dröhnt Musik aus dem Innern – auch andere Lokale in der Altstadt haben länger gespielt, als eigentlich erlaubt. Eine Beamtin geht zu einem Wachmann, erinnert an die Sperrstunde. Man wolle die Musik noch ausklingen lassen, heißt es, nun spiele man aber das letzte Lied.

Der Trupp ist zufrieden, will in den Bus einsteigen. Da wankt ein junger Mann auf die Gruppe zu. „Kann ich Sie was fragen?“, lallt er. „Kann ich bei Ihnen einen freiwilligen Alkoholtest machen?“ Die angesprochene Beamtin fängt an zu lachen. „Oh, das braucht man nicht unbedingt. Ich kann Ihnen auch so sagen, dass Sie ganz schön betrunken sind.“ Enttäuscht zieht er von dannen.

Gegen halb vier treffen die meisten Beamten wieder auf dem Polizeirevier ein, die Lage ist weiter recht ruhig. Eine Stunde haben sie noch vor sich, die Göppinger dann noch die Fahrt nach Hause. Und schon wenige Stunden später geht es für manche zum nächsten Einsatz. Das nächste Fest wartet. Mit viel Alkohol. Und Kaffee und Wasser für die Beamten.

 

NACHTRAG: Am Donnerstag, 8. September (einen Tag später als im vergangenen Jahr) hat die Polizei Bilanz gezogen. Insgesamt habe es etwas weniger Straftaten gegeben – doch wie schon 2015 große Probleme mit den länger geöffneten Lokalen (und dem Alkoholkonsum vieler Festbesucher). Schon für Mittwoch hatte ich was zu dem Thema geschrieben, weil es nach der begleiteten Schicht wohl heftig zuging, zudem bereits zum Start des Pferdemarkts, als Bietigheimer Beitrag zum Samstagsschwerpunkt.

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