Es gärt: der Bürgerentscheid über eine geplante Biovergärungsanlage

Ist sie eine Gefahr für die Umwelt, insbesondere das Grundwasser und die angrenzende Enz und die Menschen in ihrer Umgebung, die mehr Verkehr, Lärm und Gestank hinnehmen müssen? Oder ist sie eine innovative Idee und ein lukrativer Beitrag zur Energiewende? Um das Für und Wider einer geplanten Biovergärungsanlage ging es in den vergangenen Monaten in Bietigheim-Bissingen. Und vor allem um die Standorte. War das zunächst auf einer Anhöhe zwischen Löchgau und Bietigheim geplant, wurde nach Protesten auch im Gemeinderat ein ehemaliger Steinbruch gewählt. Doch dort waren die Proteste aus der Bevölkerung noch massiver – und das Vorhaben scheiterte letztlich mit einem Bürgerentscheid deutlich.

Das Thema beherrschte die Stadt – und damit auch die Berichterstattung, vor allem in den letzten zwei Wochen vor dem Bürgerentscheid am 17. Juli. Ziel war es, jeden Tag einen Beitrag dazu zu bringen (vor allem auf den Bietigheimer Seiten), zusätzlich wurden an den beiden Samstagen auch die Schwerpunkte der Ausgabe dem Thema gewidmet. Eine Linksammlung, von mir ergänzt um einige Punkte, die aus Zeitgründen nicht früher umgesetzt werden konnten.

blog_plakate

Den Auftakt machte ein Gespräch mit dem Landrat und den möglichen Folgen eines negativen Ausgangs des Bürgerentscheids. Auf die Bietigheim-Bissingen-Seite habe ich zudem ein Foto gepackt, denn plötzlich hingen an den großen Einfallstraßen Plakate, sowohl von Gegnern als auch Befürwortern (zu beiden gab es einige Tage später mehr). Am Donnerstag folgte dann ein weiterer Beitrag von mir nach einem Pressetermin mit Grünen-Politikern, ehe am Freitag das große Interview mit Umweltminister Franz Untersteller im Blatt war. Dazu war es gekommen, weil ich nach der Vorstellung der Werbekampagne der Befürworter und der Aussage des Stadtwerkechefs, dass man sich auch Unterstützung vom Landkreis und dem Land wünsche, weil Energiewende nicht nur lokales Thema sei, bei beiden Stellen angerufen und gefragt hatte, ob sie in irgendeiner Form unterstützen würden.

blog_karte mülltransporte

Am Samstag folgte dann der erste Schwerpunkt, der sich durch das Blatt zog. Auf der Bietigheim-Bissingen-Seite ging es um den Häckselplatz, zudem habe ich den Beitrag für die „Repo“ geliefert, die in diesem Fall wieder eher aufs Grafische als die klassische Reportage setzte. Thema waren die Wege, die der Müll des Landkreises nimmt. Und nachdem sich abzeichnete, dass diese sehr weit sind, habe ich mich zu einer Landkarte mit Pfeilen entschieden, hier links meine Skizze.

Weiter ging es für mich in der letzten Woche vor dem Bürgerentscheid mit einer Auflistung der Knackpunkte wie Verkehr, Umweltgefahren etc. in der Mittwochsausgabe. Nicht fehlen durfte auch das Thema Kommunikation anhand der Wahlkampfmaterialien und die erneute, ausführlichere Erklärung, wie das mit dem Bürgerentscheid funktioniert – denn es gab sogar immer noch Leute, die es qua Beruf eigentlich hätten wissen müssen, dass sich die 20 Prozent für die Gültigkeit nicht auf die Wahlbeteiligung, sondern den Anteil der Mehrheitsmeinung an den Stimmberechtigten bezieht. Am Samstag wurden dann die Kontrahenten nochmals vorgestellt, mein Part befasste sich mit Vertretern der Bürgerinitiative.

Und dann war auch schon das Großkampfwochenende da, zumal natürlich mehr passierte als nur der Bürgerentscheid. Auf dem Weg in die Redaktion fuhr ich noch in einigen Wahlräumen vorbei, wo schon ordentlich was los war (und ich mir danach sicher, dass das Quorum geschafft würde). Kurz vor 18 Uhr am Sonntag waren die meisten Seiten fertig redigiert, dann ging es Richtung Bürgerbüro, wo die Stimmen zentral zusammengefasst wurden – auf ungewöhnliche Art. Zumindest hatte ich es noch nie gesehen, dass die Einzelergebnisse an Pinnwänden im Hof aufgehängt werden. Überraschend für mich auch die Deutlichkeit, mit der der Bürgerentscheid zugunsten der Gegner der Anlage im Steinbruch ausging (Verkündung als Video hier). Ergänzend zu den Meldungen auf den jeweiligen Titelseiten gab es von mir noch einen Stimmungsbericht mit Ergebnistabellen auf der Bietigheim-Bissingen-Seite und einige Wahlsplitter.

Zwischen Jubel und kühler Analyse

Reaktionen auf den Bürgerentscheid und das Aus für die geplante Biovergärungsanlage

Die Gegner der Biovergärungsanlage haben einen deutlichen Sieg errungen. Vor allem Vertreter der SPD zeigten sich darüber wenig erfreut.

Bietigheim-Bissingen. Sonntagabend, gegen 18.30 Uhr: Ein ungewohntes Bild bietet sich den Bürgern, die in den Hof des Bürgeramts kommen. Bürgermeister Joachim Kölz steht vor den Pinnwänden und schaut auf die einzelnen Seiten mit den Ergebnissen der bereits ausgezählten Wahllokale. „4:1 für uns“, fasst ein Mitglied der Bürgerinitiative seinen Eindruck zusammen. Die ersten Jubelschreie werden ausgestoßen. „Ein Jahr haben wir gekämpft“, sagt Ulrike Pfitzner, die zum harten Kern der Bürgerinitiative gehört, die sich gegen den Standort der geplanten Biovergärungsanlage im Steinbruch Fink formiert hat. „Um jetzt strahlend vor den Ergebnissen zu stehen. Nur mit dem Biomännle kann man halt nicht gewinnen“, sagt sie mit Blick auf die vor rund sechs Wochen mit Hilfe einer Werbeagentur gestarteten Kampagne des Betreiberkonsortiums.

Nach und nach kommen weitere ihrer Mitstreiter an – und immer mehr Ergebnisblätter werden aufgehängt. Längst wird nur noch danach geschaut, wie hoch die Wahlbeteiligung war – entscheidend dafür, dass die Anlagengegner letztlich erfolgreich sind. Die ersten Gemeinderäte tauchen auf, die Augen ganz fokussiert auf die Zahlen. Und hinter sich Kommentare gegen ihre Parteien. SPD-Fraktionschef Volker Müller ist sichtlich verärgert über das Ergebnis, wie es sich langsam herauskristallisiert. „Das ist ein schwarzer Tag für mich“, sagt er. „Und für die Energiewende. Aber jetzt sind die Gegner am Zug zu sagen, was sie vorschlagen, um das Thema voranzubringen. Sie sind jetzt in der Bringschuld.“ Er fürchtet nun weitere Bürgerbegehren: „In vier Wochen haben wir das nächste. Man kann keinen Bebauungsplan mehr aufstellen, nichts.“ Ob auch Stadt und Gemeinderat Fehler gemacht hätten? „Die Ankündigung, dass aus der Stadt Karlsruhe Biomüll kommt, war nicht gerade befeuernd“, sagt er dazu nur.

Applaus brandet auf. Doch er gilt (noch) nicht dem Ergebnis. Zwei der Geschäftsführer des Konsortiums, Stadtwerke-Chef Rainer Kübler und Reiner Glock, biegen um die Ecke. Die Stimmung ist gelöst, und irgendwie scheint das auch für die beiden zu gelten. Die ersten rufen ihnen Zwischenergebnisse zu. Kübler fragt ungläubig, wie eindeutig das sei, und ob noch keiner die Zahlen nachgezählt habe – denn so könne er noch keine erste Einschätzung abgeben.

„Sehr eindeutig“, müssen er und Glock nur wenig später im Gebäudeinnern von Ordnungsamtsleiter Thomas Höfel hören. Einer, der darüber froh ist, ist CDU-Fraktionschef Thomas Wiesbauer. „Wenigstens ist es eindeutig und keine Eiergeschichte. Dann hätte es wieder Diskussionen gegeben.“ Das hat er in seiner Partei bereits hinter sich. Während die deutliche Mehrheit der Fraktion für die Anlage war, hatte der Stadtverband noch am Dienstag in einer Pressemitteilung (Titel: „OB stellt Interesse der Anlagenbetreiber über das der Bürgerschaft“) dafür geworben, mit Ja zu stimmen und damit letztlich die Anlage abzulehnen.

Und damit wohl auch deren Aus im gesamten Landkreis. So ist zumindest die Einschätzung der Runde, die in einer Ecke zusammensteht, nachdem OB Jürgen Kessing gegen 19 Uhr das Ergebnis verkündet und der Jubel nun deutlich lauter als zu Beginn aufbrandet. Die ganze Ausschreibung sei zugeschnitten auf einen Standort nahe an einem bestehenden Netz des künftigen Betreibers, so Kübler, dessen Gesichtsausdruck noch so ist wie bei seinem Eintreffen. Nun könne man nicht sagen, man mache es woanders. Am Montag dann müsse man intern überlegen, wie es weitergehe, und danach mit der AVL sprechen – sie hatte den Bau einer entsprechenden Anlage ausgeschrieben und das Konsortium um die Bietigheimer Stadtwerke den Zuschlag erhalten. Die AVL-Aufsichtsräte tagen schon am Mittwoch, „doch da stehen eigentlich andere Themen auf der Tagesordnung“, sagt SPD-Kreisrat Hans Leopold Schlobach. Und: „Ich seh’ bei uns keinen in der Fraktion, der sagt, ein anderer Standort ist möglich.“ „Das wird nach der Erfahrung auch keine andere Kommune machen wollen“, ergänzt Kölz.

Woran es gelegen habe, dass das Ergebnis so deutlich ausfiel? „Das Thema war sehr emotional geprägt. Und es ging nur um den Standort“, sagt Glock. Die Mehrzahl der Wähler sei den Fehlinformationen der Bürgerinitiative aufgesessen“, sagt Schlobach, diese hätte mit tausenden Lastwagen täglich Angst gemacht und damit, dass gleich das Grundwasser verseucht werde. „Wir haben auf unsere Sachargumenten in den letzten Tagen gutes Feedback bekommen“, ergänzt Kübler. Viele hätten aber einfach die Chancen nicht gesehen, sondern nur Risiken. Und es sei ein klassischer Fall des St. Florians-Prinzips gewesen. Unterm Strich habe man aber eine gute Auseinandersetzung geführt.

Und die ist in der Tat beendet – zumindest draußen vor den Pinnwänden. „Es ist ein Sieg gegen Arroganz und Ignoranz der Verwaltung“, sagt Ulrike Pfitzner in Richtung des Bürgermeisters, der vor den Pinnwänden steht. Doch diesmal blickt Joachim Kölz gebannt in die andere Richtung. „Ich sag dazu jetzt nichts.“

blog_radtschlagRad(t)schlag für die Wahl

Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Wahlzeit, kommt Werberad – so könnte man den deutlich sichtbaren Hinweis nennen, der am Samstag auf dem Kronenplatz zu sehen war. Dort stand nämlich, in bester Lage vor einer der „Wunderland“-Bühnen, ein Fahrrad, voll mit Plakaten. Unschwer zu erraten, wer das dort hingestellt hatte – an jeder freien Stelle wurde vor der „Müll-Stadt“ gewarnt.

Noch Nein? Nein!

Ja, der Bürgerentscheid war ein Novum für die Stadt Bietigheim-Bissingen. Und wohl auch die Präsentation der einzelnen Ergebnisse auf Pinnwänden, während städtische Mitarbeiter nach und nach die ausgezählten Stimmzettel ins Bürgerbüro brachten. Der Mann, der gegen Ende kam, trug besonders schwer, hatte noch einen Korb bei sich. „Der bringt jetzt die entscheidenden Nein-Stimmen“, scherzte Ulrike Pfitzner. Doch knapp 10 000 Stimmzettel hätten da wohl kaum reingepasst. Und außerdem war alles zuvor schon telefonisch durchgegeben worden.

In Fahrt gekommen

Das nennt sich wohl Ironie der Geschichte. Die Bürgerinitiative hat sich ausgerechnet nach einer Infofahrt des Betreiberkonsortiums gegründet, erzählte Ulrike Pfitzner. Weil es nicht nach Freudenstadt, sondern zu der Anlage nach Backnang ging, habe man nach der Rückkehr mehr Zeit gehabt als gedacht. Und dann habe man gesagt, man sollte eine BI gründen und sei daraufhin in eine Gaststätte gegangen.

Ja, Ja, Ja

Nicht nur in Bietigheim-Bissingen wurde am Sonntag abgestimmt. Auch in Emmendingen gab es einen Bürgerentscheid, auch hier stand am Ende mit großer Mehrheit ein Ja – und damit die Ablehnung der Pläne, eine Grünfläche für ein neues Stadtviertel zu bebauen. In Singen sagte die Mehrheit ebenfalls Ja – das bedeutete aber tatsächlich Zustimmung, zum Bau eines Einkaufszentrums.

 

Fortsetzung folgt…

Und nach diesem Ergebnis ging es natürlich noch weiter, am Folgetag mit weiteren Reaktionen. Zudem standen während meines anschließenden Urlaubs einige Termine an (unter anderem der schon in meinem Artikel erwähnte bei der AVL), bei denen der Bürgerentscheid noch eine Rolle spielte.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Fußball: Zehn zurück, eins nach vorn

9. Juni 2006: Anpfiff in München. Die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt. Im eigenen Land – und ich bin nicht nur vor dem Fernseher dabei, sondern als Mitarbeiterin, genauer, als eine von 15.000 Freiwilligen in ganz Deutschland.

10. Juni 2016: Anpfiff in Paris. Die Fußball-Europameisterschaft beginnt. Und ich bin nicht nur vor dem Fernseher dabei, sondern habe mir vorgenommen, die Spiele journalistisch zu begleiten. Mit Rückblicken auf die WM, aber auch die EM – und Aus- sowie Einblicken. Los geht’s – Anpfiff!

 

9. Juni 2006. Es ist der Abend, auf den viele gewartet haben, der Beginn der WM. Doch für die Stuttgarter Volunteers ist sie bereits einen Tag vorher so richtig losgegangen. Denn im Staatsministerium gab es für uns einen Empfang (damals von MP Günther Oettinger), mit Musik und Essen. Pünktlich dazu war auch das Wetter besser geworden. Ich erinnere mich noch gut, wie ich an dem Morgen noch einen Pulli (!) anhatte, ihn dann aber am späten Nachmittag vor der Fahrt von der Redaktion in Gernsbach nach Stuttgart auszog. Und es blieb während der folgenden Wochen warm; kaum habe ich mal die Jacke angezogen, die wir neben den drei T-Shirts, der kurzen und der langen Hose, der Regenjacke sowie den Sportschuhen samt Socken bekommen haben für den Einsatz. Denn es war auch in der Schleyerhalle warm, in der wir zum gemeinsamen Fußballschauen eingeladen waren, wie eben zum Eröffnungsspiel.

 

Eintrag: 21. Juni 2016 – an diesem Abend sollte eigentlich eine Gemeinderatssitzung sein. Parallel zum letzten deutschen Gruppenspiel gegen Nordirland. Eigentlich…

Glosse zum Thema Folgen der EM auf die Politik:

Noch drei Tage, spätestens dann wird man in den Straßen deutlich mehr weiße T-Shirts sehen (und schwarz-rot-goldene Utensilien). Farblich schon lange passend unterwegs ist Hausesel Benny, der für die BZ die deutschen Spielergebnisse voraussagt. Noch hält sich der Weiße aber weise zurück. Dafür wies sich ein anderes Orakel aus. Bietigheim-Bissingens OB Jürgen Kessing weiß: Deutschland kommt ins Finale. Das Team habe immer gewonnen, wenn er mit Gemeinderäten nach Sitzungen Fußball geschaut habe. Und zum Halbfinale am 7. Juli ist es wieder soweit. Man müsse deshalb schauen, bis 21 Uhr mit dem Technischen Ausschuss fertig zu sein. Beim zweiten deutschen Gruppenspiel am 21. Juni (18 Uhr) wäre das nicht möglich. Die für diesen Tag angesetzte Gemeinderatssitzung wird deshalb verschoben, damit keiner mit dem Kopf nur beim Spiel ist und alle schauen können. Eine weise Entscheidung. jsw

 

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Sommerloch? Zumindest nicht in den Pfingstferien

Alle Jahre wieder… kommen sie, die Klagen vieler Lokaljournalisten, dass die Pfingstferien so schlimm seien. Keine Termine, keine Themen. Ganz ehrlich? Das ist doch ein Armutszeugnis. Die Pfingstferien sind in Baden-Württemberg gerade mal zwei Wochen lang, umfassen zwei Feiertage, an denen keine Zeitungen erscheinen. Und für die bleibenden zehn Ausgaben will man nicht genug Stoff haben?

schloss bietigheim

Kann eigentlich nicht sein (und das sage ich nicht nur, weil es in unserer Redaktion vor allem samstags Schwerpunkte gibt, oder welche speziell für die Ferien). Denn vor den Ferien sind in der Regel noch viele Sitzungen von Ausschüssen und Gemeinderäten – da fallen Themen an, die man weiterrecherchieren kann (z.B. ging es unter dem TOP Verschiedenes in Bietigheim-Bissingen um einen SPD-Antrag zur Kita- und Schulverpflegung, für den ich wegen freien Tagen zwar niemanden in Schulen/Kitas erreicht und dann auch keinen Platz gehabt, aber dann danach was gemacht habe). Dann gibt es sicher trotzdem die eine oder andere Pressemitteilung, die man nachrecherchieren kann bzw. sogar muss (die einer Schule verriet nichts über die Anmeldezahlen im Vorjahr, die der Stadt stellte sich bei der Anfrage beim Rektor (der zum Glück im Urlaub Mails liest), von dem ich eigentlich ein schönes Zitat wollte, sogar als falsch heraus).

Oder man macht eine eigene Aktion, lädt Leser dazu ein – da fallen sogar noch für die kommende Woche Themen an.  Man kann auch schon vor den Ferien eine Geschichte recherchieren, sogar mit Schulen😉.

Und es gibt sicher überall Geschichten, die man weiterdrehen kann. Zum Beispiel, wie es nach der Gemeinderats-Entscheidung für einen Bürgerentscheid derzeit weitergeht, viel Zeit bis zum Abstimmungstermin bleibt ja nicht. Oder bei der Polizei nachhaken, ob es neue Erkenntnisse zu Bränden und sonstigen Vorfällen gibt (wenn sie denn was sagt).

auwiesenbrücke bietigheim

Zuguterletzt gibt es sicher immer in den Ferien irgendwo an einer kritischen Stelle eine Baustelle, die zumindest ein Bild hergibt – oder für Ärger sorgt. Oft liegen die Themen – auch zu angeblich schwierigen Zeiten – also wirklich auf der Straße.😉

 

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Gran Canaria – Zwischen Meeresbrise und Krise

blog_Titel

Ein kalter Tag wie heute ist nahezu ideal, um noch einmal in Erinnerungen zu schwelgen, an einen Urlaub vor einigen Wochen mit deutlich wärmeren Temperaturen – es ging mal wieder auf die Kanaren, und zwar nach Gran Canaria. Doch dieses Mal war einiges anders als sonst. Am auffälligsten war die im Vergleich zu meinem Teneriffa-Urlaub im Januar 2012 deutlich schlechtere wirtschaftliche Situblog_EKZation in den Ferienorten.
Etliche Läden v.a. in Maspalomas / Playa del Inglés hatten geschlossen, an einer etwas abgelegeneren Stelle gar ein ganzes Einkaufszentrum. Die meisten Werbeschilder der Kneipen und Geschäfte waren bereits abmontiert, die Rollläden heruntergelassen. Nur noch ein paar Stühle oben auf dem Dach, wo mal eine Freiluftkneipe gewesen sein muss, erinnerten noch an bessere Zeiten. Und auch andernorts waren viele Läden geschlossen – und das, was noch da war, erinnerte eher an die 80er-Jahre. Böse gesprochen, gab es vor allem Kruscht zu kaufen. Etwas moderner und auch qualitativ besser waren da die Läden und Cafés im Ortsteil Meloneras, auf der westlichen Seite der Dünen.

Die Touriorte der Insel schienen insgesamt noch in einer anderen Zeit verhaftet zu sein – oder klammerten sich noch daran, denn oft war beim Angebot und Service noch Luft nach oben, und dazu zählte auch unser Hotel, das die vier Sterne nicht wirklich verdient hatte. Aber immerhin bot es neue Erkenntnisse beim Essen, es gab nämlich jeden Abend ein Büffet, das an ein anderes Land/Region angelehnt war (z.B. Spanien, Kanaren, China, Italien, Frankreich; nur die Nachspeisen waren immer einem Land entlehnt, das sehr viel Zucker produzieren muss). Und beim deutschen Abend gab es u.a. Wiener Schnitzel und Kaiserschmarrn sowie Rösti. Also irgendwie auch wieder eine ganz andere Zeit…

Eindrücke von der „Hauptsehenswürdigkeit“: Sand

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Aber die Sonne und die Temperaturen entschädigten dann doch für vieles. Erstere war so stark, dass ich mir gleich am ersten Tag, trotz Sonnencreme und Schattensucherei, einen Sonnenbrand geholt habe. Am zweiten Tag bot dann der Ausflug in die Hauptstadt Las Palmas ein wenig Abkühlung, da es im Norden nicht ganz so heiß wird, und sich zudem auch einige Wolken blicken ließen und der stets vorhandene Wind stärker war. Dorthin ging es wieder, wie schon auf Teneriffa, mit dem Linienbus. Es gibt auf den Kanaren zwar die vor allem für uns ungewohnte Gewohnheit, nur die Abfahrtzeiten der Endhaltestellen in den Fahrplänen (u.a. im Internet) aufzuführen, aber da es langsam Richtung Hauptsaison ging, fuhren die meisten Busse so oft, dass die Warterei recht kurz ausfiel. Las Palmas war dann auf jeden Fall ein interessanter Kontrast zu den Touriorten, mit Altstadt, „normalen“ Geschäften und etwas mehr spanischem Flair.

Eindrücke aus Las Palmas:

Ein weiterer Ausflug führte uns über Puerto Rico nach Puerto de Mogan, einst ein Fischerdorf, heute natürlich ein Touriort, der aber angesichts der Fahrt doch eher wenig an Attraktionen (und Fischerdorftypischem) bot.

Insgesamt aber weiß ich nicht, ob ich nochmal so lange auf die Kanaren fliegen würde. Höchstens nochmals im Januar/Februar, wenn es wenig Alternativen gibt, um mal ein paar Tage (und nicht eine ganze Woche) Sonne zu tanken, und dafür nicht noch mehr Stunden fliegen zu müssen (und dann schon gar nicht mit Condor – bei so wenig Service und Essen/Getränken kann ich wieder Ryanair nehmen, und das zu einem deutlich geringeren Preis).

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Landtagswahl: Rückblick auf meine Arbeit

wahltitel_kleiner

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Und das traf dieses Mal tatsächlich zu – denn zum ersten Mal habe ich nicht nur zuvor viel berichtet (siehe Blogbeitrag vom Januar zum Auftakt), sondern auch am Abend einer großen Wahl gearbeitet. Hatte ich, was die Kandidaten angeht, zuvor hauptsächlich mit zweien der SPD zu tun – der eine davon, weil ich als einzige aus der Redaktion ihn schon kannte -, so widmete ich mich am 13. dann den Wahlpartys der FDP und den Grünen in der Bietigheimer Altstadt, während die Kollegin bei CDU und SPD in Bissingen war. Zur Qual wurde die Wahl zwar bei „meinen“ zwei Partys angesichts des Grünen Direktmandats und des guten FDP-Ergebnisses nicht. Dafür dauerte es bei dem CDU-Kandidaten umso länger, bis klar war, ob er den jahrzehntelang schwarz geprägten Wahlkreis überhaupt werde vertreten dürfen. Und es wurde ein langer Arbeitstag. Die Wartezeit, die es zwischenzeitlich immer wieder gab, füllten wir mit dem Schreiben von bunten Wahlereignissen.

wahlmuffinsUnd dem Essen der Wahlmuffins – diesmal auch mit bei den meisten entsprechend bunt gefärbten Teigen. Beabsichtigt war es zwar nicht, aber man konnte aus den Muffins einiges ableiten. Im Backofen fingen die (zuvor aufgetauten) Erdbeeren, die in einem der SPD-Muffins (links sowie ganz oben eine Reihe daneben) steckten, an, „auszulaufen“ und die neben ihnen backenden AfD-Muffins (mit Heidelbeeren aus dem Glas) „anzugreifen“ – so wie es Nils Schmid in der SWR-Elefantenrunde getan hatte. Und die Linken (zweite Reihe von links) fielen ziemlich in sich zusammen – schuld war das Preiselbeerdessert, das ich aus Versehen anstelle von klassischen Preiselbeeren erwischt hatte. Auch die CDU (Kakao und Schokostückchen im Teig, koalierte mit den Grünen auf zweitem Blech) wurde nicht so wie sonst.
Gegen 23 Uhr waren dann alle gewählten Bewerber klar – und dass es im Kreis Ludwigsburg mehrere Sensationen gegeben hatte: in allen drei Wahlkreisen holten die Grünen das Direktmandat, zudem gingen für die langjährigen Abgeordneten Klaus Herrmann (CDU) und den SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel im Landtag die Lichter aus. Und für uns dann nach halb eins schließlich auch.

Doch schon am nächsten Tag ging es weiter – unter anderem mit einer Nachbetrachtung und einem Interview mit dem SPD-Abgeordneten aus Bietigheim-Bissingen, der es nicht mehr geschafft hatte. Zudem gab es Analysen zum Abschneiden einzelner Parteien, vor allem der AfD.

Damit war für mich das Thema Landtagswahl vorerst beendet, nach rund zwei Monaten doch recht intensiver Begleitung. Mit ersten Wahlkreisvorstellungen, den Kandidatenporträts, Artikeln zur Briefwahl oder zu jungen Wählern, aber auch einigen bunten Stücken wie etwa über die Beschwerde über die CDU-Veranstaltung mit Guido Wolf. Und natürlich habe ich auch einige Veranstaltungen besucht, eben jene mit dem CDU-Spitzenkandidaten, ebenso an meinem Wochenenddienst Ende Februar die mit Jörg Meuthen (AfD), um vor Ort zu sein, falls es große Protestaktionen gibt. Doch Meuthen bietet weniger Angriffsfläche als etwa Frauke Petry oder Beatrix von Storch, deren Absagegrund für den Termin in Münchingen immer noch nicht ganz klar ist. Fast eine Stunde lang sprach Meuthen in der Ludwigsburger Musikhalle über das Thema Flüchtlinge, ganz wenig dann noch über andere Themen. Sein Ton ruhiger und sachlicher als manche Kandidaten in der Vorstellungsrunde zuvor. Zudem war ich im Ludwigsburger Scala, wohin Claus Schmiedel zur Übertragung der Aufzeichnung des MTV-Unplugged-Konzerts mit Cro geladen hatte – als wohl nur eine von sieben oder acht Nicht-SPD-Mitgliedern. Wie Cro und Claus Schmiedel zusammenpassen (außer dass man natürlich junge Wähler ansprechen wollte): auch er habe als junger Mann Musik gemacht, zudem war der Mann mit der Panda-Maske an Schmiedels Berufsschule Schüler. Und Cro singe von gutem Leben, das wolle auch die SPD erreichen, so Schmiedel zur Begrüßung. Nun, hat ja super geklappt… In der Liste dürfen auch die Grünen nicht fehlen: recht früh im Wahlkampf war Winfried Kretschmann im Kronenzentrum. Alle (größeren) Parteien auf einmal gab es dann beim BZ-Podium in Bietigheim, ebenfalls moderiert von meinem Chef. Die AfD war dabei vertreten, bekam nach einem eher schwachen Auftritt (dafür mit starken Bodyguards, die viele Klischees erfüllten) allerdings weniger Zuspruch an dem Abend als dann tatsächlich am Wahltag selbst.

Und auch wenn jetzt zwei Wochen und ein Urlaub seit der Wahl vergangen sind – bei mir geht es jetzt schon wieder mit der nächsten weiter. Denn noch vor den Sommerferien soll es in Bietigheim-Bissingen einen Bürgerentscheid über die geplante Biovergärungsanlage geben. Kommende Woche wird dieser das erste Mal im Gemeinderat behandelt, allerdings wird es dabei wohl nur um Formalien gehen, denn nach der überwältigenden Zahl an Unterschriften will nun auch die Verwaltung die Bürger abstimmen lassen, und nicht etwa den Gemeinderat erneut.
Nach der Wahl ist vor der Wahl.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Vom Torten- zum Eisparadies: die Intergastra

Irgendwie verrückt: da ist die Fachmesse Intergastra nur alle zwei Jahre – und wie schon 2014 auf den Landesinnenminister Reinhold Gall gab es auch diesmal kurz danach einen Tortenwurf, dann aber auf die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch. Ob die Werfer ihre Inspiration in Stuttgart geholt haben? Wohl eher nicht. Doch Inspiration gab es Ende Februar genügend – wie diese Fotos beweisen.

intergastra_backpreis

Verrücktes gab es auch 2016 wieder zu sehen. Zum Beispiel beim Vortrag von Matthias Mittermeier, den ich vor zwei Jahren das erste Mal erlebt habe. Auch aktuell ging es wieder um Molekularküche, vor allem um natürliche Hilfsmittel, mit denen man Bindungen herstellen kann, wie Pektine oder Agar-Agar, mit dem man Kakao anrühren und die Masse dann in kaltes Öl spritzen kann, sodass Kaviar-ähnliche Kügelchen entstehen. Und er hat binnen weniger Sekunden Biskuit hergestellt. Wichtigste Hilfsmittel dabei waren eine Gaskartusche, mit der er die flüssige – weil das Eiweiß nicht extra steifgeschlagen wurde, sondern alles einfach verrührt – Teigmasse „aufschäumte“. Danach kam alles für wenige Sekunden in die Mikrowelle, denn das Eiweiß, das eine große Rolle beim Biskuit spielt, stockt ab 60 Grad – und das erreiche man schnell in dem Gerät, so Mittermeier.

intergastra_vortrag2_fertig

Deutlich weniger für die Hobbyküche geeignet sind dagegen seine Experimente mit flüssigem Stickstoff – dafür sind die Kreationen wie „gefrorene Kirschsaftluft“ (Kirschsaft aufgeschäumt, und den Schaum dann in dem Stickstoff schockgefrosten lassen; im Bild das große rote Gebilde) oder „Schokopopcorn“ (im Bild rechts, daneben die Vanille-Variante) umso interessanter in der Zubereitung, dem Aussehen und Geschmack (sehr intensiv).

Verrücktes gab es auch in der „Eis-Halle“ zu sehen, bei der parallel stattfindenden Messe Gelatissimo. Und da habe ich doch deutlich mehr probiert, als zunächst angesichts der Kälte draußen gedacht – ja, ich bin ein Schönwetter-Eisesser. Aber wenn es Kreationen wie Schokolade mit Meersalz (hinterher nicht so süß und klebrig wie manch anderes Schokoeis), Cherry-Cola, Joghurt-Mojito-Lime, Grüner Tee und Pistazie-Rose gibt, muss man doch zuschlagen😉 Großer Trend in diesem Jahr war veganes Eis, das gefühlt die Hälfte aller Stände im Sortiment hatte. Allerdings hat mir kaum eine Sorte geschmeckt, es fehlte oft an Geschmack, dafür war alles umso süßer.

intergastra_truck_Knödel quark

Knödel mit Kräuterquark – gab es auch als süße Variante mit Apfelmus.

Etwas enttäuschend fand ich dagegen die Food-Trucks, die am Samstag auf dem Platz vor der Messe standen und kostenlos zugänglich waren – „Street-Food-Market“ auch gerne genannt. Klingt schicker. Aber letztlich waren es bei der Messe wie schon zu früheren Veranstaltungen überwiegend Anbieter von Burgern – natürlich ebenso Varianten mit Pullled Pork, ist ja auch so ein Trend -, Pommes oder Würsten, die vor Ort waren. Und die Imbissbuden mit Schwäbischem (Linsen mit Spätzle, Maultaschen so oder als Burger) sind mittlerweile ebenfalls nicht mehr allzu exotisch.

intergastra_kabinett_alle

Das Küchenkabinett: Der Dehoga-Chef mit Rülke, Hofelich, Özdemir und Kaufmann (v.l.).

Exotisch sind dafür viele Politiker im Haushalt. Und das sah man auch beim „Küchenkabinett“ des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. Eingeladen waren für die Grünen Cem Özdemir, Stefan Kaufmann in Vertretung für Guido Wolf, Hans-Ulrich Rülke für die FDP und SPD-Staatssekretär Peter Hofelich. Letzterer gab zwar an, in einem Gastwirts-Haushalt aufgewachsen zu sein. Doch die Gurke, die er schälen sollte, vermittelte ein anderes Bild. Aber immerhin hatte er viel Spaß und freute sich am Ende, dass er die Gurke (nur noch das halbe Volumen im Vergleich zum Anfang) nun ermordet habe. Auch Rülke, könnte man böse sagen, hat seine Creme langsam, aber sicher totgerührt (Moderatorin: „Können Sie auch schneller rühren? Die Messe geht nur noch bis Mittwoch“).

 

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Ein extra Tag – der 29. Februar im Lokaljournalismus

Was passiert im Durchschnitt an einem Tag? Das habe ich mich gefragt und für die Ausgabe am 29. Februar einen kleinen Schwerpunkt während meines Wochenenddienstes zusammengestellt. Ziel war es, nicht nur auf fast allen Seiten (eine war wegen einer Fülle an Material vorab ausgenommen) Zahlenspiele zu präsentieren, sondern diese auch noch auf einen Bericht oder Termin abzustimmen.

29_Geburtstage

Vorab habe ich also recherchiert: zu den Geburtenzahlen im Kreis Ludwigsburg und den Besonderheiten eines 29. Februars (passend zu einem alternativen Aufmacher auf dieser Seite über einige Geburtstagskinder und wie sie es finden, am Schalttag geboren worden zu sein), zu den Lego-Produktionszahlen (zu einem Schmuckbild über eine Aktion einer Kirchengemeinde), zu den Unterrichtsstunden einer Realschule, die zuvor Tag der offenen Tür hatte, und zu den Einsatzzahlen der Feuerwehren im Kreis, als frei verfügbarer Text, je nachdem, wo es eine Brandmeldung am Wochenende gegeben hätte (alternativ gab es für diese Seite die täglichen Lkw-Bewegungen im Zusammenhang mit einem Gewerbegebiet, was auch auf die Wirtschaftsseite gepasst hätte, wäre diese nicht so losgelöst von den anderen viel weiter vorne im Mantelteil  und deshalb für die Leser wohl kaum verständlich gewesen). In der Pipeline war zudem noch eine Ersatzgeschichte zu Polizeieinsätzen, die dann aber aus Platzgründen nicht mehr auf die Seite für den Kreis Ludwigsburg passte.

Tollerweise hat auch noch einer der beiden Sportredakteure mitgemacht und ein wenig Zahlenspiele betrieben, was die Tore an einem durchschnittlichen Spieltag (hier wurde aus naheliegenden Gründen auf die Division Jahr/365 verzichtet) anbelangt.

Fazit: Es war eigentlich nicht viel Arbeit. Aber es war einiges an Zeit nötig, um sich Gedanken zu machen, welche Zahlen sind sinnvoll und passen auch zur Berichterstattung, und dann eben die Anfragen an die jeweiligen Pressestellen oder die Schule zu stellen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen